Aufzucht von Marderbaby's bis zur 8. Woche

Was zu beachten ist !

Man weiß nie, wie lange ein Marderbaby schon ohne Mutter ist. Deshalb ist äußerste Eile geboten. Kälte und Durst sind als erstes zu bekämpfen.

1. Wärme

Achtung ! Unterkühlte Babys niemals zu schnell hochwärmen (Kreislauf) - besser ohne Wärmequelle in warmen Raum unterbringen oder mit menschlicher Körperwärme erwärmen. Eine Wärmflasche ist nur bei Einzelkindern und Marderchen unter 100 Gramm nötig. Kräftige Marderchen (ab 2 Stück) wärmen sich sehr gut selbst.
Wenn also eine Wärmung nötig ist, bitte nicht zu heiß und zwischen Wärmflasche und Baby immer ein Deckchen legen. Vorsicht vor Überwärmung - sehr kleine Babys fangen dann an zu schwitzen und können sich nicht selber von der Wärmequelle wegbewegen. Heizkissen oder Heizdecken sind zu gefährlich. Diese sind meistens zu warm und können zu Austrocknung führen. Wenn das Kleine ständig feucht oder gar nass ist, ist die Wärme zu hoch - dann bitte regulieren. Oft ist auch Fieber im Spiel. Also, keine Zugluft und nie zu warm halten. Fleece-Deckchen und Baumwolltücher sind gut geeignet. Bei Frottee und Stoffen die Schlingen haben, bleiben die kleinen Krallen oft hängen und verhäddern sich. Am besten sollte ein richtiges Kuschelnest gebaut werden. Das Baby kann so selbst entscheiden (wenn es krabbeln kann), ob es unter oder auf den Deckchen liegen will.

2. Flüssigkeit und Aufzuchtmilch

Die erste Flüssigkeit sollte ausschließlich aus Tee bestehen. Der Grund ist ganz einfach: Die meisten Findlinge sind bereits mehrere Stunden oder sogar Tage ohne Muttermilch. Der Verdauungstrakt wird trocken und empflindlich. Hier sofort eine künstliche Aufzuchtmilch zu verabreichen würde Magen und Darm überfordern und schlimmstenfalls zu Verstopfung führen. Davon abgesehen sind die meisten zu schwach um selbst zu saugen - Milch verschlucken führt meist zu erheblichen Problemen.

In den ersten 10 - 12 Stunden nur verdünnten Fenchel-/ Kamillentee eingeben. Am besten mit einer 1 ml Spritze - so kann Verschlucken vermieden werden und man hat genaue Übersicht über die verabreichte Menge. Aber auch der Tee sollte in den gleichen Mengen verabreicht werden wie die Milchmengenangabe in der Tabelle auf dieser Seite weiter unten.
Notfall-Rezept:
1 Teebeutel Kamillentee
1 Teebeutel Fencheltee
Tee ansetzen, nach ca. 1/2 Minute wegschütten und erneut drei Minuten ziehen lassen
auf 100 ml Tee einen halben Löffel Honig (am besten echten Imkerhonig)

Die abgekühlte Teemischung kann pur zur Erstversorgung/Stabilisierung
( max. 2 Tage) gegeben werden und zur Umstellung auf den Milchersatz anstelle von Wasser
(wenn die Milch dann gut angenommen wird, kann der Tee nach und nach
durch Wasser ersetzt werden). Dafür dann einfach das Pulver (nach
Angabe des Herstellers) mit der Teemischung angerühren.
 

Bei sehr schwachen, ausgetrockneten Baby's hilft eine Elektrolyte-Lösung (max. 6 Stunden)
Rezept:
1 gestrichenen Teelöffel Traubenzucker ( od. 1/4 zerkleinerte
Dextroenergen- Platte)
1 Messerspitze Salz
100 ml lauwarmes Wasser

Nachdem Magen und Darm ausreichend Flüssigkeit bekommen haben, kann nach den 12 Stunden langsam mit Milch angefangen werden um jetzt auch wieder die nötige Kraft zu bekommen. Tierärzte und Tierkliniken haben immer Aufzuchtmilch vorrätig. Bitte nie Kuhmilch !!!
Das Thema Milch ist sehr komplex. Deshalb haben wir eine ganze Seite darüber verfasst "Milch".
Das Loch im Nuckel muss angepasst werden. Bei einem zu kleinen Loch ist die Anstrengung zu groß etwas abzubekommen. Ein zu großes Loch kann zu Verschlucken führen. Marderchen unter 100 Gramm trinken oft noch nicht vom Nuckel - hier kann vorübergehend eine 1ml Spritze genommen werden (selbstverständlich ohne Nadel). Aber bitte nie zuviel ins Mäulchen geben - sonst Verschluckung möglich.
Sehr gut zur Umstellung und Appetitanregung ist "Stullmisan-Pulver". Erhältlich bei vielen Tierärzten. Davon kann pro Mahlzeit eine sehr kleine Messerspitze (Stecknadelkopf-Größe) in die Milch gegeben werden.
Bei den ersten Fütterungen etwas dünnere Milch geben. Besser öfter aber dafür weniger. Eine Überfütterung kann Verstopfung verursachen. Dazu bitte die folgende Tabelle als Maßstab benutzen. Tägliches wiegen macht es ihnen leichter einen Überblick zu behalten. Bei Gewichtsabnahme oder längerem Stillstand sollte sofort gehandelt werden.

Milchmengen / Gewichtstabelle:

Alter
Gewicht
Milchmenge
bis zur 1. Woche 30 Gramm 2-3 ml pro Mahlzeit *
2. Woche 100 Gramm 3-5 ml pro Mahlzeit *
3. Woche 180 Gramm 5 bis 8 ml *
4. Woche 240 Gramm 6 bis 12 ml **
5. Woche 300 Gramm 10 bis 15 ml **
6. Woche 350 Gramm 15 bis 20 ml ***
7. Woche 420 Gramm 20 bis 30 ml ***
8. Woche 550 Gramm 30 bis 40 ml *** plus Animonda Kitten
9. Woche 620 Gramm kaum mehr Milch
ab 10. Woche 700 Gramm nur noch Wasser und Animonda

*Fütterung alle 2 Stunden (ab Ende der Fütterung gerechnet)- auch nachts. Häufigere Mahlzeiten haben sich erfahrungsgemäß als ungünstig herausgestellt, da das jeweilige Aufwecken einen großen Stress bedeutet und die aufgenommene Milchmenge dann auch sehr gering ist.

**alle 2-3 Stunden - nachts 3 Stunden

***alle 4 Stunden. Nachts nur noch alle 5 Std.
Ab der 8. Woche (500 Gramm) kann die Umstellung auf feste Nahrung beginnen. Dazu am besten abwechselnd Milch und "Animonda Kitten" anbieten - niemals zusammenmischen ! Auch Wasser kann schon angeboten werden. Der Umstieg von Milch zu festem Futter sollte in max 5 Tagen vollzogen sein - dann keine Milch mehr geben - sonst kann immer wieder Durchfall kommen. Milch und festes Futter nie mischen und auch immer ca. 1 Stunde zwischen den beiden Nahrungsgaben abwarten.

3. Bauchmassage

Nach dem Trinken ist es nötig das Bäuchlein mit einem weichen Tuch (gut ist weiches WC-Papier, Tempo oder Kleenex) massiert werden bis eine Ausscheidung (Urin und Kot) austritt. Dazu das Kleine am besten auf dem Bauch in die Hand legen und mit der anderen Hand (2 Finger reichen) mit einem zusammengelegten Kleenex-Tüchlein zart am Genitalbereich vor- und zurückstreichen. Oft wird Kot erst später abgesetzt - das geht meist von allein. Ab der ca. 6. Woche wird Kot auch schon selbständig im Stehen abgesetzt. Dazu am besten die bevorzugte Ecke mit Zeitungspapier auslegen. Auf keinen Fall Katzenstreu benutzen - das Baby könnte etwas davon verschlucken. Der Klump- oder Betoneffekt würde den Darm verkleben und schließlich qualvoll zum Tod führen.

4. Schlaf

Viel Schlaf ist nötig ! Babys die sehr viel schreien, haben meist zuviel Streß. In den ersten 4 Wochen soll ausschließlich getrunken und geschlafen werden. Bitte die Kleinen nicht herumtragen und versuchen mit ihnen zu spielen. Im Gegensatz zu Menschenbabys kann man Marderbabys nicht beruhigen indem man sie herumträgt und schaukelt. Ab der ca. 4. Woche gibt es kurze Spielzeiten. Bei mehreren Marderchen regeln die Kleinen das selbst. Bei einem Einzelkind kann nach der Milchmahlzeit etwas länger geschmust werden bis es müde wird.
Als Schlafplatz reicht in den ersten Wochen eine Katzentransportbox. Ab der 5. Woche möchten sich die Marderchen allerdings etwas mehr bewegen und das Krabblen lernen. Dazu sollte dann ein Kaninchenstall oder ein geschlossener Laufstall umfunktioniert werden. Immer vor anderen Haustieren (Katzen und Hunden) schützen.

5. Mangelerscheinungen erkennen

Egal welche Aufzuchtmilch - es ist nie der Calziumgehalt wie in der echten Mardermilch enthalten.
Der körperliche und psychische Streß raubt zudem nochmal Calcium und Magnesium. Am besten beobachten sie das Marderchen genau. Alarmzeichen sind Durchfall, ständiges Schreien, Verkrampfungen, gelber Kehlfleck (sollte reinweiß sein), extrem schlapp, Inappetenz.

6. Tierarztbesuch

Ist das Baby allerdings sehr schwach, dann sofort zum Tierarzt. Hier wäre eine Amynin-Unterspritzung (2-5 ml) hilfreich. Bitte kein Antibiotika oder Wurmmittel. Eine Kotprobe zum Tierarzt bringen und auf Giardien, Kokzidien und Parasiten untersuchen lassen. Somit kann man schon mal Klarheit schaffen. Bitte Vorsicht mit Medikamenten - Marder reagieren auf viele Mittel mit Krämpfen. Zeigen sie ihrem Tierarzt den Link zu den "Info's für Tierärzte" ! Speziell bei Parasiten sind Marder meist ganz anders zu behandeln als Hund und Katze. Infos dazu finden sie unter: Parasitenseite

Marderbabys unter 100 Gramm (Augen und Gehörgang geschlossen) haben eine sehr geringe Überlebenschance. Nur ca. 20 % kommen ohne Mutter durch. Selbst wenn keine Fehler gemacht werden. Die Kleinen geben oft ganz von selbst auf - da hilft die beste Pflege nichts. Der psychische Stress ist dabei nicht zu unterschätzen.
Mama ist weg + Milchumstellung = Stress. Natürlich ist es immer wert den Versuch zu starten.

Die häufigsten Fehler und die Folgen bei Marderchen unter 8 Wochen:

Antibiotika

verursacht Magenprobleme und in meisten Fällen Krämpfe
Spätfolgen: schlechtes Immunsystem; das selbe gilt für Durchfallmittel und sonstige Chemie

Wurmkur verursacht Magenprobleme, bitte nie ohne ersichtlichen Grund entwurmen - führt zu Vergiftungen und kann das Leben kosten. Appetitlosigkeit und Durchfall.
Kuhmilch zu hoher Milchzuckergehalt; kann zu Milchschorf und Calziummangel führen; über längere Zeit gegeben gibt es schwere Folgeschäden
Joghurt führt zu Übersäuerung im Harn. Dadurch kann es beim Urin absetzen zu Brennen und sogar Blutungen führen. Marderchen schreit viel und Rüden nuckeln am Penis.
Sahne bringt Folgeschäden mit sich - Leberschäden.
Überfütterung Ausgehungerte Babys können sehr viel Milch aufnehmen. Bitte Vorsicht ! Die ersten Mahlzeiten etwas dünner anmischen - lieber öfter aber weniger.
Milch aufwärmen übriggebliebene Milch immer wegschütten; die Vitamine und Mineralien gehen verloren;
Mikrowelle angerührte Milch nie in der Mikrowelle erhitzen; die Vitamine und Mineralien gehen verloren;
Obst zu hoher Säuregehalt; erst für Marder geeignet nach der Milchzeit
Feste Nahrung Marder sind Säugetiere und somit bis einschließlich 8. Woche Milchtrinker; der Magen und der Darm sind noch nicht auf feste Nahrung eingestellt und können diese nicht verdauen. Das gilt auch für Brei oder Obst aus Kindergläschen.
Alkohol Wirkstoffe, die in Alkohol gelöst sind, führen unverzüglich zu Schwäche, Apathie und schließlich zum Tod. Bitte Inhaltsstoffe genau beachten.

Laufstall für die ersten Wochen

Kaninchenstall

Links oben: Ein selbstgebauter Laufstall mit Deckel. Solange die Kleinen noch nicht laufen, reicht auch eine Katzentransportbox.

Links unten : Ein Kaninchenstall / Meerschweinchenstall

 

Video: Marderbaby beim Trinken (YouTube von Karin Amann).

Video: 6 Wochen alte Marderbaby's (YouTube von Karin Amann).

Übergang zur festen Nahrung

Für den Beginn mit fester Nahrung gibt es keine genaue Faustregel. Bei Handaufzuchten geht es ab der 8. Woche (Baby wiegt ca. 400-500 Gramm) los bzw. wenn die Milchzähnchen vollständig zu sehen sind. Nun kann "Animonda Kittenfutter" angeboten werden. Wir bevorzugen Animonda deshalb, weil darin kein Getreide enthalten ist. Getreide kann zu Gährungen im Bauch führen und somit wieder Durchfall oder Blähungen hervorrufen. Das Kittenfutter bitte nicht mit der Milch mischen - sondern immer getrennt geben. Die Umgewöhnung sollte in wenigen Tagen abgeschlossen sein - dann kann die Milch weggelassen werden.

Umstellung auf feste Nahrung: Hier ist zu unterscheiden zwischen Marderchen, die sehr früh von der Mutter getrennt wurden und denen, die bereits von Mama vorverdauten Speisebrei bekommen haben.
Immer gültig ist: Marderchen mit geschlossenen Augen bekommen absolut nur Aufzuchtmilch - keinerlei feste Nahrung.
Baby's die sehr früh in Menschenhand gelangt sind, sollten etwas länger Aufzuchtmilch bekommen als Marderkinder, die bereits zum Zeitpunkt der Findung die Augen offen haben. Es muß immer sehr genau überlegt werden, ob und wie lange Milch gegeben werden soll.

In der Natur werden Steinmarder 8-10 Wochen gesäugt. Das gilt auch bei der Handaufzucht. Bis zur 8. Woche gibt es am besten Aufzuchtmilch - nichts anderes (kein Babybrei oder sonstiges). Ab der 8. Woche kann dann bereits begonnen werden feste Nahrung anzubieten. Für die ersten Versuche kann folgendes ausprobiert werden:

  • Welpen- oder Kittenfutter aus dem Schälchen (Animonda), muss ohne Getreide sein. Bitte nicht mit der Aufzuchtmilch mischen - auch das führt wieder zu Blähungen und Bauchweh.
  • Die feste Nahrung mit ausreichend zeitlichem Abstand zu Milchmahlzeit - ca. 1 Stunde.
  • Wasser in Schüsselchen.
  • Ab dem Moment, wo das Futter richtig gerne gefressen wird, reicht es die Aufzuchtmilch nur noch 2-3 mal tgl. anzubieten und schließlich ganz weglassen.
  • Die Umstellung sollte in 3-5 Tagen komplett vollzogen sein - dann keine Milch mehr.
Marderhilfsnetz  •  Copyright © 2015 by Karin Amann