Aufzucht von Marderkindern 8. - 12. Woche

Ernährung

Ab der 8. Woche (500 Gramm) kann die Umstellung auf feste Nahrung beginnen. Dazu am besten abwechselnd Milch und "Animonda Kitten" anbieten - niemals zusammenmischen ! Möglichst von speziellem Aufbaufutter wie "Hill´s a/d" oder Recovery (vom Tierarzt) absehen. Das Baby muss nicht in Rekordzeit wachsen und nicht aufgebaut werden ! Es ist nicht krank sondern lediglich im Wachstum. Es soll langsam und artgerecht groß werden. Auch Wasser kann schon angeboten werden. Der Umstieg von Milch zu festem Futter sollte in max 5 Tagen vollzogen sein - dann keine Milch mehr geben - sonst kann immer wieder Durchfall kommen. Milch und festes Futter nie mischen und auch immer ca. 1 Stunde zwischen den beiden Nahrungsgaben abwarten.

Mit dem Speiseplan sollte hier noch sehr vorsichtig umgegangen werden. Hauptnahrung sollte nach wie vor Animonda Kittenfutter sein. Als gute Abwechslung kann nun auch "Rinti Junior Dosennahrung" gefüttert werden. Bitte noch kein Trockenfutter - die Milchzähnchen müssen erst durch das Permanentgebiß ausgewechselt sein (ab ca. 12. Woche).

Ab jetzt können Eintagsküken angeboten werden. Vermutlich werden die noch nicht komplett gefressen. Aber der erste Kontakt ist wichtig ! Einfach immer wieder anbieten. Oft kann mit dem ganzen Küken noch nicht viel angefangen werden - hier könnte man auf gewolfte Küken zurückgreifen oder die ganzen Küken im halbgefrorenen Zustand in kleine Stücke schneiden. Wer Steinmarder gewissenhaft und fachgerecht aufziehen will muss da leider durch. Ich weiß, es ist nicht jedermanns Sache aber es ist erforderlich.

Von den Federn bis zum Schnabel stecken in den Küken sehr viele Mineralstoffe und Vitamine. Um Mangelerscheinungen entgegen zu wirken ist das die beste Lösung. Einer der häufigsten Gründe für den Tod eines von Menschenhand aufgezogenen Marderkindes sind Mangelerscheinungen. Mehr zu diesem Thema ist unter "Gesundheit, Medizin" zu finden. Ebenso können Mäuse angeboten werden. Am besten Mäuse aus dem Frostfutterhandel. Hier eine kleine Übersicht über diverse Frostfutterversand-Shops


Bei den ersten Ausflügen sollte man die Kleinen immer auf Grillen, Heuschrecken, Mistkäfer usw. aufmerksam machen. Sie werden schnell Spaß daran finden, diese „Beute“ zu jagen und später in der freien Natur gehört solches Kleinzeug ja auch auf ihren Speiseplan. Bei Vögeln und Mäusen die sie in der Natur finden, ist Vorsicht geboten. Es kann nie sicher sein, dass die Maus nicht an Rattengift verstorben ist. Dies würde im Magen des Marderchens seine weitere Wirkung tun.

In Verbindung mit einem ausgewogenen Speiseplan dürfte es keine Mangelerscheinungen geben. Wir unterstützen die Kleinen trotzdem in dieser Phase gerne mit zusätzlichem Calcium. Die Zahnung und Streß rauben nämlich davon ordentlich was weg. Dazu empfehlen wir:
  • PlantaSil - Pulver von PlantaVet - davon 2 mal tgl. einen viertelten Teelöffel ins Naßfutter mischen

Um den Speiseplan langsam zu erweitern kann auch folgendes angeboten werden:

  • gekochtes oder rohes Eigelb (max. einmal pro Woche). Sobald die Küken komplett aufgefressen werden, ist dies nicht mehr nötig (im Küken befindet sich ein kompletter Dotter)
  • Hühner- und Putenfleisch gegart, ungewürzt (max. 1 mal pro Woche)
  • ab der 16. Woche: reifes, heimisches Obst (unbehandelt oder zumindest gut gewaschen oder Schale abgeschnitten); Bitte Vorsicht mit Bananen und Trauben - zu hoher Zuckergehalt.

Weiterhin gilt - Bitte nicht: Schokolade, gewürzte oder gesalzene Speisen, Säurehaltiges und Lebensmittel mit Konservierungsmitteln oder Zusatzstoffen.

 

Futtermenge: Eintagsküken schmeken lecker

Ab der 9. Woche können die Mahlzeiten verringert werden. Das heißt: 5 Mahlzeiten pro Tag. Einmal Küken einmal Animonda oder Rinti Junior. Pro Mahlzeit soviel die Marderkinder wollen, dann aber wieder wegnehmen. Sie sollen nicht ständig Futter zur Verfügung haben. Später in der Natur gibt es oft in einer Nacht nur eine Mahlzeit. Deshalb kann man später auch die Mahlzeiten auf 4 mal, dann 3 mal, dann 2 mal reduzieren. Hungern sollen sie allerdings nie ! Bis zur 12. Woche müssen genug Nahrstoffe zur Verfügung stehen um keine Mangelerscheinungen zu riskieren.
Der Rest wird sich dann einspielen.
Wenn man das Futter immer wegstellt, lernen die Kleinen auch sich anderswo Voräte anzulegen und schnappen sich Mäuse oder Küken und bringen diese in Verstecke. Die sollte man natürlich nicht wieder wegnehmen, damit die Marderchen wissen dass Vorrat anlegen Sinn macht.


Mardermädchen Easy plündert das Vogelfutter Wir füttern bereits ziemlich früh schon Küken - der richtige Zeitpunkt ist der wenn sie mobil werden und richtig anfangen rumzulaufen und nicht mehr wacklig auf ihren Beinen sind. Anfangs gibts ein Küken am Tag pro Tier, dann nach ein paar Tagen 2 pro Tag zzgl. Fertigfutter. Mehr als 2 Küken täglich sollten es noch nicht sein, da der enthaltene Eidotter doch sehr gehaltvoll ist. Erst später zur Auswilderung kann auf 3-4 Küken pro Marder erhöht werden. Ab der ca. 10. Woche kann auch schon mit Hähnchenherzen oder Mägen eine gute Abwechslung schaffen. Mit Hähnchenschenkeln oder Flügeln sollte gewartet werden, bis die Permanentzähnchen kräftig genug sind. Die kleinen Milchzähnchen könnten unter den starken Knochen leicht Schaden nehmen (Knochen auslösen wäre auch möglich). Die feinen Knochen in den Eintagsküken sind dagegen keine Gefahr für die Zähne.

Mit der Futterauswahl soll der Marder an seinen späteren Speiseplan gewöhnt werden.
Speiseplan eines erwachsenen Steinmarders:
Vögel, Mäuse, Ratten, Insekten, Würmer - letztere aber nur, wenn der Hunger arg gross ist. Im Sommer und Herbst hauptsächlich Früchte wie Kirschen, Äpfel, Birnen, Beeren, ebenso Nüsse, Esskastanien oder Bucheckern. Der Steinmarder ist ein Allesfresser und passt sich seiner Wohngegend an. Katzenfutter,
Igelfutter und sogar Vogelfutter (Meisenknödel) werden nicht verschmäht.

Steinmarder im Vogelhaus. Sonnenblumenkerne schmecken auch sehr lecker. Ein Meisenknödel würde jedoch aufgrund des hohen Fettgehaltes zu enormen Bauchschmerzen und Durchfall führen.

 

Marder und andere Tiere

Am Anfang sollten Katzen und andere Haustiere unbedingt von den Mardern ferngehalten werden. Katzen sind für die Marderbabys noch eine Gefahr. Hunde sollten generell nie mit den Babys in Berührung kommen. Ihr eigener Hund würde sich vielleicht mit den Kleinen arrangieren und sie könnten sogar gute Freunde werden. Aber wenn die Marder später auf eigene Erkundungen gehen, werden sie dem ein oder anderen Hund begegnen, der Marder nicht so gerne mag. Dieses aufgebaute Vertrauen zu einem Hund könnten dann tödlich enden.

Katzen können gerne mal an den Kleinen riechen, aber solange die Baby's noch nicht davon laufen können sollten sie nie mit einer Katze allein gelassen werden. Später ist das kein Problem mehr, da sie in der freien Wildbahn immer wieder auf Katzen treffen werden.

Von den Horrorgeschichten, dass ein Marder eine Katze tötet, halte ich nichts. Sie sind im Kampf ebenbürtig und gehen sich aus dem Weg. Falls es doch einmal zu einer Situation kommt (Futterstreit o.ä.) in der Marder und Katze streiten, gibt es sicherlich ein paar Kratzer oder Bisswunden - dann aber wird einer von beiden fliehen und aufgeben. Und das muss nicht immer die Katze sein. Der Marder mit seinen max. 2,5 kg ist doch etwas kleiner als die gut genährte Hauskatze. Wenn ihre Katze in so einem Streit Blessuren davon trägt, sollten sie allerdings den Tierarzt aufsuchen, da sich jede Wunde entzünden kann und versorgt werden soll.Marder mit Katzen beim fressen

Sicher ist: Ohne Grund greift kein Marder eine Katze an !!

Wer sagt hier die verstehen sich nicht ? Easy ist zwangsläufig mit Katzen aufgewachsen. Ein bisschen Futterneid aber sonst kein Problem. In der Natur gehen sich die beiden aus dem Weg, weil ein Kampf sich nicht rentiert und beide gleiche Chancen haben.

Anders sieht es mit Kaninchen und Meerschweinchen aus. Die sind für Marder eine Beute, die er ohne größere Probleme töten kann. Hier hilft nur ein Gehege, das kleinmaschig, überdacht und im Boden mind. 30-40 cm eingegraben ist.

Die Hauptnahrung des Marders besteht jedoch aus Mäusen, Ratten, Vögeln und - kaum zu glauben - im Sommer zu 80 % aus Obst.

 

Natürliche Scheu vor Menschen

Marderchen bis 8 Wochen haben keine Angst vor Menschen. Danach sollten sie unverzüglich lernen, dass der Mensch nicht ihr Freund ist. Das heißt bei Handaufzuchten: Bitte nur noch eine Bezugsperson. Die Kleinen nie in fremde Hände geben oder mit ihnen spielen lassen. Marder gehören auch nicht ins Haus. Bis zur 8. Woche ist das in Ordnung - danach sollen sie vom Tagesablauf der Menschen nichts mehr mitbekommen. Also eine geschützte Scheune, Gartenhaus, Garage oder ähnliches herrichten. Eine Katzenklappe ist für später eine gute Lösung. Die Marderchen lernen das sehr schnell und der evtl. Verfolger (z.B. Reviermarder) wird im Normalfall nicht eindringen.

Leine und Geschirr = Gefahr

Bis zur 8. Lebenswoche können die Babys noch in einem Laufstall im Haus gehalten werden. Danach drängt es die Kleinen nach draußen. Sie werden sich lautstark äußern und im wahrsten Sinn des Wortes "Die Wände hochgehen".

Auch für die ersten Versuche den Garten zu erforschen ist kein Geschirr nötig. Die Kleinen sind noch sehr ängstlich und werden sich kaum weit von der Ersatzmama entfernen. Auf keinen Fall darf ein Halsband oder ein Geschirr dem Marder angelegt werden, wenn er ohne Aufsicht ist. Die Gefahr sich damit selbst zu erhängen ist zu groß. Dies gilt auch für Zeckenhalsbänder.

Problemfall Einzelkind

Die Einzelaufzucht eines Marders (im speziellen Stein- und Baummarder) birgt enorme Probleme und kann dem Wildtier später sogar das Leben kosten. Dazu gibt es hier ausführliche Infos. Einzelkind

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