Auswilderung Haus-Methode

Sie möchten ihren Marder selbst bei sich zuhause auswildern ?

Wir raten dringend davon ab eine Mardergruppe direkt in einer Ortschaft oder gar Stadt auszuwildern. Der bisher nette Nachbar könnte ihnen das Vorhaben mittendrin verderben. Geheimhalten ist oft nicht möglich, da die Jungmarder durchaus zu Späßen aufgelegt sind wie: Schuhe stehlen, Blumentöpfe ausgraben ... soagr ganze Blumen- und Gemüsebeete werden da schon mal beim toben Platt gemacht. Nicht jeder findet das lustig und so gibt es die ersten Streiterein, die nicht selten bis zu massiven Bedrohungen für den Marder gehen. Gehen sie kein Risiko ein. Eine Mardergruppe mitten in der Auswilderung dann doch noch umzusetzen gibt meist ebenfalls Probleme für die Marder.

Wohnen sie jedoch am Ortsrand oder gar Waldrand, haben einen Bauernhof oder einen Einsiedlerhof, dann ist das die ideale Voraussetzung für diese Auswilderungsmethode.

Hier nun ein paar Hilfestellungen für die Hausauswilderung:

Aufzuchtgehege zum trainieren der InstinkteAb der ca. 8. Woche (also Anfang Juni) sollten kleinere Erkundungstouren im Freien gemacht werden - und zwar an dem Platz, wo sie später auch ausgewildert werden. Zunächst geht das noch bei Dämmerung - und selbst da haben sie schon den Instinkt sich ins Dunkle zu verstecken. Später geht das nur noch bei Dunkelheit - also nachts. Hierbei müssen wir Menschen mit der Taschenlampe bei der Wanderung dabei sein, da wir leider nicht für die Nachsicht konstruiert sind. Aber Vorsicht: Die Jungtiere nicht direkt anleuchten. Wenn sie dieses grelle Licht als etwas gutes kennenlernen, werden sie evtl. später vor dem heranrollenden Autoscheinwerfer nicht in Deckung gehen. Todesursache Nummer eins: Autos !!! Die ersten Schritte im Freien müssen unbedingt dort stattfinden, wo die Kleinen später auch tatsächlich ausgewildert werden sollen - Marder sind sehr ortsgebunden. Die Gerüche und Geräusche im Freien sind überall anders.

Hier sollten Sie versuchen wie ein Marder zu denken - nicht so einfach. Das Marderkind soll aber lernen, was gut und was schlecht ist:

Wasser (z.B. Gartenteich) sollte kein großes Problem sein. Steinmarder können schwimmen - mögen es aber nicht. Nach einem Ausrutscher in den Teich ist es hilfreich ein Handtuch am Boden auszulegen - er wird lernen sich darauf trocken zu rubbeln - das macht es später im Moos oder Gras.

Autos - Beim ersten Geräusch am besten sofort unter einen Busch retten.

Ebenso bei fremden Menschen, Tieren (Hundegebell) oder anderen Geräuschen. Zeigen sie den Kleinen dass es auf der Hut sein soll.

Bäume - die ersten Kletterversuche sind tollpatschig. Also bitte helfend unterstützen oder zumindest da sein.

Weitere Tipps:
Regenrinnen, die in der Kanalisation enden bitte mit Gitter abdecken.
In offene Regentonnen eine Holzlatte stellen.
Gekippte Fenster zumindest mit Fliegengitter sichern um ein Einklemmen vermeiden.
Gartenschuhe über Nacht ins Haus - die werden angebissen oder versteckt.
Stromkabel gut sichern - werden evtl. angebissen.
Blumentöpfe werden gerne ausgegraben.

Wechsel der Schlafplätzewechselnde schlafplätze

Für die ersten Übernachtungen im Freien sollte eine trockene Schlafstelle angeboten werden. Hier ist Erfindungsgeist angesagt. Eine ausgediente Hundehütte mit Stoffbettchen auslegen - Futter und Wasserschüssel reinstellen. Schon ein paar Wochen später suchen sich die Kleinen ihre eigenen Schlafplätze. Sind es mehrere, bleiben sie anfangs noch zusammen. Bevorzugt werden Plätze, die etwas erhöht und geschützt sind. Aber vor allem dunkel muss es sein. Scheune, Garage, dichte Hecke usw. Wir heizen mit Holz, deshalb haben die Kleinen schnell die Verstecktauglichkeit so eines Stapels erkannt - was auch schon mal zu Verletzungen führen kann, wenn man nicht aufpasst.

Erkundungskreise werden größer

interessante VersteckeIrgendwann werden auch die Ausflüge länger. Kontrolle ist dann fast nicht mehr möglich - für mich die schlimmste Zeit. Es gibt da draußen so viele Gefahren und ich kann sie nicht ständig beschützen. Ich schlafe nur noch bei gekipptem Schlafzimmerfenster um beim kleinsten Schrei sofort in den Garten zu rennen. In machen Nächten bis zu 6 mal. Meist sind es nur kleine Streitereien aber oft genug musste ich zur Rettung eilen - eingeklemmte Pfote, fremder Reviermarder auf Angriff, ins Wasser gefallen, Streit mit Nachbarskatze usw. Bei wilden Mardern ist die Mutter hilfreich zur Seite und vermeidet solche Probleme bevor sie entstehen. Aber da die Kleinen nun mal nachtaktiv sind, klappt das bei der Menschen-Ersatzmama nicht immer. Die echte Mardermutter begleitet die Kinder bis in den August. Danach sollen sie selbständig sein.

Bitte niemals irgendwo aussetzen. Steinmarder sind sehr ortsbezogen. Ab August sind sie zwar selbständig, aber sie müssen ihre Gegend kennen um sich zurecht zu finden und die Reviersuche erfolgreich zu gestalten. Wird bis zum Einsetzen von Schnee und Kälte kein eigenes Revier gefunden ist das weitere Überleben ungewiss.

So gesehen hat die Auswilderung am Haus einige Vorteile. So kann man z.B. noch lange eingreifen, wenn die Kleinen Hilfe brauchen und vor allem die Problemkinder (Mangelerscheinungen, Überängstliche usw.) können noch einige Zeit mit Futter versorgt werden. Das Wohnhaus muss aber tabu sein und bleiben. Auch der Kontakt zum Menschen muss eingeschränkt werden. Ein Schuppen, Stadl, Garage oder Dachboden kann als Unterschlupf während der Auswilderung dienen.

Tipps und Erfahrungen von Andrea W. (eine unserer Hausmethoden-Auswilderinen):

Wir haben ein leerstehendes altes Hühnerhaus. Die ersten Ausflüge beschränken sich erst mal auf das Erkunden und Kennenlernen dieser neuen „Wohnung“. Natürlich richten wir das Haus vorher schon so her, dass es für die neugierigen Marderkinder interessant ist, -mit Klettermöglichkeiten, Heu oder Stroh zum Kennenlernen usw. Damit die kleinen Racker später erst gar nicht auf den Gedanken kommen, immer wieder zum Wohnhaus zurück zu laufen, trage ich sie die ca. 200 m zum neuen Heim und auch wieder zurück.
Das hat in den letzen Jahren immer gut funktioniert. In den nächsten Tagen (Abenden) wird dann das neue Heim erkundet, wobei wir nach und nach auch die Umgebung ums Marderhaus herum mit einbeziehen…ich überlasse das immer den Kleinen, denn jeder Marder verhält sich da anders und so bleibe ich einfach nur dabei und greife ein, wenn es gefährlich wird.
Auf diese Art & Weise lernen die Marderchen sehr schnell, dass das Haus ein „sicherer Ort“ ist, an den sie sich bei drohender Gefahr schnell zurück ziehen können. Der Einstieg liegt oben, gerade groß genug, dass ein Marder durchschlüpfen kann und ist nur über ein Brett zu erreichen, so dass Hunde oder auch Füchse, die jungen Mardern gefährlich werden könnten keine Chance haben, hinein zu kommen. In den ersten Wochen reicht es den Jungen völlig, das 2000 qm große Grundstück nach und nach mit mir zu erkunden. Das ist dann in etwa auch der Zeitpunkt, wo sie ganz ins „Draußen-Haus“ umziehen. In den ersten 1-2 Wochen dürfen sie ganz früh morgens und abends raus zum Erkunden und Lernen, tagsüber bleibt die Klappe zu. Schließlich sind Marder Nachttiere und sollten tagsüber schlafen. So lange sie bei uns in der Wohnung leben, können sie das ja nicht richtig lernen. Natürlich schaue ich mehrmals am Tag nach dem Rechten, - anfangs noch etwas öfter, später nur noch einmal mittags zum Füttern (junge Marder brauchen ständig Nahrung).
Dann werden die abendlichen Spaziergänge auch auf den angrenzenden Wald ausgedehnt. Keine Sorge, dass sie die Kleinen verlieren: Die Marderkinder folgen ihrer Ersatzmama so, wie sie ihrer Mardermama folgen würden und wenn eins mal außer Sichtweite gerät, macht es sich lautstark bemerkbar.
Sobald die Kleinen ihre Umgebung sicher kennen, bleibt die Klappe die ganze Nacht offen und wird erst morgens verschlossen. Die Kleinen kehren in der ersten Zeit ganz instinktiv in ihr sicheres Haus zurück, -schon allein deshalb, weil sie wissen, dass sie morgens dort etwas „Fressbares“ erwartet und sie die vertraute Sicherheit im Haus schätzen, bis sie andere Schlafplätze ausfindig gemacht haben.
Nach einigen Nächten, die sie ja nun komplett frei verbringen, ist der Tag- Nacht- Rhythmus stabil genug und die Klappe wird nicht mehr geschlossen. Ab jetzt entscheiden die Jungen selbst, ob und wann sie kommen oder gehen und wo sie schlafen.
Sie sind frei!
Natürlich füttere ich sie weiterhin morgens und abends. Meist dauert es schon noch eine Weile, bis sie abwandern….und bis dahin sind sie für diese zusätzliche Futtergabe sehr dankbar.

Viele Grüße

Andrea W.

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