Auswilderung - Allgemeine Vorbereitung

Jetzt geht's erst richtig los !!

Fläschchen geben, Bäuchlein massieren, füttern - das war noch Spaß. Aber die richtige Aufgabe kommt erst jetzt. Die Freiheit - eine gefährliche Sache, die eine Ersatzmama den Kleinen so gut wie möglich beibringen muss.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Auswilderung:

  1. Alter: Die Marder sollten mindestens 4 Monate alt sein - also frühestens ab Anfang/Mitte Juli. Lediglich bei der Hausauswilderung beginnen die Erkundungen in Begleitung deutlich früher.
  2. Gesundheit: Der Zahnwechsel zum Permanentgebiss sollte fertig sein - die Milchzähne müssen ordentlich ausgefallen sein (Doppelzahnung kontrollieren).
    Eine Kotuntersuchung sollte während der Aufzucht bereits durchgeführt worden sein. Ein geringer Befall von Rundwürmern ist nicht zwingend zu behandeln. Falls jedoch ein starker Befall von Würmern oder Kokzidien vorhanden war, sollte nach der Wurmbehandlung eine ausreichende Darmsanierung durchgeführt worden sein - andernfalls kann das fehlende Immunsystem die Kleinen da draußen nicht ausreichend schützen. Mittel zur Entwurmung und Darmsanierung finden sie unter: Parasiten und Durchfallmittel / Darmsanierung
  3. Scheu: So süß die Marderkinder auch sind, bitte nicht herumreichen oder jedem Besucher in die Hände drücken. Die Kleinen müssen lernen, dass der Mensch ihr größter Feind ist - Pfleger mal ausgenommen. Im Idealfall haben die Kleinen nur Kontakt mit ihnen und max. noch einem Familienangehörigen. Eine fehlende Scheu vor Menschen kann später das Leben kosten. Vor der Auswilderung sollten die Jungmarder genügend Scheu entwickelt haben und sich vor fremden Menschen oder Tieren unverzüglich verstecken. Dass die Marder keinen Kontakt zu Haustieren - im speziellen Hunden - hatten, ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Eine fehlende Scheu kann hier später schnell tödlich enden.
  4. Fähigkeiten: Die letzten Wochen vor der Auswilderung sollten in einem entsprechenden Gehege verbracht werden. Sie sollen mit den gegebenen Witterungen (Regen, Hitze, Gewitter) vertraut sein. Kletter- und Springmöglichkeiten sollen das Gleichgewicht und die Fluchtfähigkeit trainieren. Auch der Kampf und Streit untereinander ist eine wichtige Voraussetzung für die Welt da draußen. Idealerweise sollte die Schlafbox, welche mit zur Auswilderungsstelle gegeben wird, auch schon länger bekannt sein um die gewohnten Gerüche mitzunehmen. Diese Kiste wird dann als Schlaf- und Fütterungsstation angenommen.
  5. Fütterung: Vor der Auswilderung sollen die jungen Marder möglichst alles was die Natur zu bieten hat kennen lernen um später ihren Speiseplan entsprechend zu erweitern. Wichtig sind dabei alle einheimischen Obstsorten (Beeren, Kirschen, Äpfel, Zwetschgen usw.). Mit der Auswilderung muß in den ersten Wochen mind. täglich nach dem Rechten gesehen werden und weiterhin mit Küken, Mäusen und ggfls. Trockenfutter unterstützt werden. Das Jagen wird erst ab dem Freigang erlernt - das kann einige Zeit beanspruchen. Je nach Selbständigkeit der Gruppe oft bis in den Herbst.
  6. Gruppe: Jeder Marder ist anders ! Es gibt die Vorsichtigen, die Wilden, die Ängstlichen, die Draufgänger usw. In der folgenden Tabelle finden sie unsere persönlichen Einschätzungen, die wir über viele Jahre gesammelt haben. Hier finden sie weitere Infos über das "Problem Einzelkind".
Anzahl der Marder Chancen in % Begründung und Erfahrungswerte
Einzeltier 5 - 10 % Zu wenig scheu, kann nicht kämpfen, sich nicht entsprechend wehren und durchsetzen. Jedes andere Wildtier kann schlimme Verletzungen und sogar den Tod bedeuten.
2 Jungmarder 10 - 30 % Keine entsprechende Rollenverteilung. Kaum Lernverhalten, zumal jeder den anderen beobachtet. Auch hier haben andere Wildtiere leichte Beute.
3-4 Jungmarder 50 - 80 % Charakter - Mischung schon eher ausgewogen. Der Scheue wird von der Gruppe mitgezogen, der Draufgänger wird eingebremst usw.
5-6 Jungmarder 80 - 90 % Ausgewogene Gruppendynamik ! Hoher Lerneffekt. Ideale Voraussetzung für späteres Revierverhalten. Gewisse Sicherheit auch für den Kleinsten bzw. Schwächsten. Die schwächeren bleiben oft noch etwas länger mit einem stärkeren zusammen bis sie genug Selbstbewußtsein haben ihre eigenen Wege zu gehen.
mehr als 7 ? Gruppen in dieser Größe empfehlen wir nur in Ausnahmefällen. Dazu muß der geeignete Platz und entsprechendes Fachwissen vorhanden sein. Reviere sind knapp und es wird umso schwieriger für die Bande einen festen Platz zu finden. An Plätzen mit so vielen Marder-Jungtieren kann im Normalfall nur alle 2 Jahre ausgewildert werden.

Ernährung:

Je nachdem welche Auswilderungsart ausgeführt wird, kann die Fütterung gestalltet werden. Bei der Waldauswilderung sollte einmal tgl. die Gesamtration hingebracht werden. Pro Marder kann man in etwa 3-4 Küken, eine Hand voll Obst rechnen. Zur Abwechselung auch gerne mal Hähnchenherzen oder Mägen, Schenkel oder Flügel oder eine entsprechende Menge an Mäusen. Trockenfutter sollte immer genug vorhanden sein. Nach 2 Wochen Komplett-Versorgung, kann die Fütterung auf jeden zweiten Tag reduziert werden. In den heißen Monaten kann ein gutes Trockenfutter (Frettchenfutter oder Junior-Hunde, bzw. Kittenfutter) anbegoten werden. So kann man die Fütterungszeiten auf 2-3 Tage ausdehnen, ohne dass gleich Fliegen und dementsprechend Maden die Ration vertilgen. Wenn damit der Sommer gut überstanden ist, kann die Fütterung langsam eingestellt werden. Meist lösen sich die Gruppen dann bereits langsam auf. Solange noch ein paar Marderkinder vor Ort sind, kann man über Herbst/Winter auch noch etwas unterstützden. Wilde Marder haben über Winter oft einen knappen Speiseplan. Den handaufgezogenen Mardern sollte diese kalte Phase noch etwas erleichtert werden.
Dazu dienen hauptsächlich Eintagsküken und Mäuse, aber auch schon mal ein Hühnerflügel oder ein ganzes Bein. Am besten nicht direkt am Haus füttern, sondern an der nahe gelegenen Scheune, da er ja weiterhin die vertraute Nähe zum Menschen verlieren soll.
Ab März/April gibt es schon einiges, was sich ihr Marder selbst fangen kann. Also, nicht zu lange verwöhnen ! Er muss sein Leben jetzt selbst in den Griff bekommen.

Generell ist noch zu sagen: Bei erwachsenen Mardern besteht der Hauptteil des Speiseplans aus Futtertieren (ca. 40 %), Obst (ca. 40 %) und sonstiges nur 20 %.

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