Marder in Gehegehaltung

Nein, ein Marder in Gehegehaltung ist nicht glücklich !!! Ja, wir können das mit Sicherheit sagen, weil wir leider sehr viele Marder kennen, die in Gehegehaltung leben. Denen, die unsere Hilfe wollen, helfen wir auch dabei diesen Tieren eine Stereotypie und die Selbstverstümmelung zu ersparen oder zu erleichtern. Dazu gehört allerdings die Bereitschaft des Halters hier alles zu tun was möglich ist. Andernfalls kann die Erkrankung solcher Gehegemarder soweit gehen, dass sie vom Tierarzt euthanasiert werden um schlimmeres Leid zu vermeiden. Leider gibt es immer wieder Menschen, die behaupten IHR Gehegemarder wäre absolut glücklich. Bitte hinterfragen sie dieses Glück mal genauer. Oft wird dann erzählt, dass er ja schon zahlreiche Frettchen - die als Gesellschaftsversuch dazugesetzt wurden - schwer verletzt hat und sich immer wieder die Haare ausbeißt - oft bis auf die Haut. Ganz zu schweigen davon, dass man das permanente "sich im Kreis drehen" als niedlich und verspielt ansieht oder das "hin- und herlaufen am Gitter" als freudiges Erwarten der Futterration deutet. Kurz und gut : "Diese Menschen haben keine Ahnung von Glück und schon garnicht von Mardern !"

Behinderungen:
In seltenen Fällen gibt es Marder mit Behinderung. Z.b. Durch Unfall, Angriff durch Raubtiere oder die Mutter hat das Baby schon aus einem Behinderungsgrund liegen lassen. Um einem solchen Tier ein einigermasen angenehmes Leben zu ermöglichen sind bestimmte Voraussetzungen nötig: Das Gehege muss mindestens 80 qm sein (lt. Tierschutzbestimmungen sind 30 qm Pflicht, führt aber bei Mardern unweigerlich zu Stereotypien), eine feste Behausung um sich zurückzuziehen und als Schutz vor Regen und Kälte, diverse Unterhaltungsmöglichkeiten wie Bäume, Tunnelsysteme, Teich usw.
Ein Marder in Gefangenschaft braucht sehr viel Abwechslung und Beschäftigung, sonst kommt es sicher zu Verhaltensstörungen und Stereotypien. Um Schüsslersalze und Nahrungsergänzungen kommt man ohnehin nicht herum. Marder lassen sich nicht zusammen halten - es sind Einzelgänger. Auch wenn man denkt, der liebe verschmuste Jungmarder bleibt immer so - seien sie gewiss, er wird sie irgendwann angreifen wenn er unzufrieden ist. In der Natur ist er die meiste Zeit der Nacht mit jagen, Revier verteidigen und Aufzucht der Jungen bzw. Revierkämpfe beschäftigt - das ist ein Fulltimejob. In Gefangenschaft braucht er dementsprechend viel Auslastung. Die Ernährung spielt dabei eine grundlegende Rolle - ohne Küken und Mäuse geht nichts. Sind erst einmal Anzeichen von Verhaltensstörungen da, wird es extrem zeitaufwendig, langwierig und kostenintensiv. Wir beraten Sie gerne !

Man sollte nie aus egoistischen Gründen so ein Tier in ein Gehege sperren. Bitte nicht behalten wollen, weil es so süß und lieb ist. Damit ist dem Tier nicht geholfen. Falls sie Bedenken haben, ob der Marder draußen zurecht kommt und ihn deshalb erstmal in ihrer Obhut belassen wollen, berücksichtigen sie bitte zumindest, dass sie ihm den Weg in die Freiheit nicht verbauen. Wichtig dabei: Auf keinen Fall eine Kastration durchführen - damit ist der Weg in die Freiheit nämlich verbaut. Ein kastrierter Marderrüde hat keine Chance draußen jemals ein Revier zu finden. Er wäre verurteilt sein ganzes Leben auf Wanderschaft bzw. Reviersuche zu verbringen und würde sogar von jeder Fähe vertrieben werden. Eine Kastration ändert nichts am Verhalten des Marders. Im Gegenteil - zu den hormonellen Problemen kommen damit noch weitere Stereotypien dazu. Eine Fähe sollte ohnehin niemals kastriert werden. Auch dann nicht, wenn sie definitiv in Gehegehaltung bleiben muss. Marderfähen sind nur einmal pro Jahr aufnahmefähig und können deshalb (im Gegensatz zu Frettchen) nicht in eine Dauerranz geraten.

Gehegehaltung:
Wenn es denn nun so sein soll, dass ein Marder aus handfesten Gründen im Gehege gehalten werden muss, gibt es wichtige Dinge, die berücksichtigt werden sollten.

Foto: Hier ein Beispiel, wie ein Mardergehege eingerichtet werden kann.

  • Gehegegröße: wie schon oben erwähnt, sollten es mind. 80 qm sein. Im ersten Jahr kann man mit einem kleineren Gehege anfangen, welches sich aber nach und nach vergrößern lassen sollte.
  • Gehegeausstattung: Dem Marder ist es nicht wichtig, dass Ordnung und Übersichtlichkeit herrschen. Deshalb sollte das Gehege nicht für Menschenaugen eingerichtet werden, sondern für den Marder viele Versteck- und Spielmöglichkeiten bieten. Äste, Baumstämme, Holzstoß, Steinhaufen, Hängematten und unterirdische Rohrsysteme sollten zur Verfügung stehen. Im Sommer sollte mehr Schatten als Sonne im Gehege sein. Dazu kann das Gehege auch von oben mit Laub und Ästen bedeckt werden. Möglich ist auch ein altes Bundeswehrtarnnetz. Gut getrarntes Gehege
    Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Dazu am besten sehr große Wasserschalen anbieten, da jede kleine Wasserschüssel umgeworfen wird und der Marder dann nichts zu trinken hat. Hier empfehle ich Blumentopfuntersetzer mit ca. 60 cm Durchmesser. Eine Heizung muss nicht angeboten werden - zum einen ist es zu gefährlich, dass er die Kabel durchbeisst und zum anderen soll vermieden werden, dass das Winterfell nicht optimal ausgebildet wird. Es sollte ein isoliertes Schlafhaus mit Katzenklappe angeboten werden. Im Sommer schlafen die Marder gerne im Freien (z.B. in einer Hängematte) aber im Winter wird so ein Häuschen gerne genutzt - siehe Foto weiter unten.
  • Abwechslung: Im ersten und zweiten Jahr sollte man viele verschiedene Spielmöglichkeiten anbieten. Ein großer Sandhaufen, Sägespäne und Heuhaufen. Im Herbst bietet sich an einen großen Laubhaufen zu machen. Im Winter eine Schneeburg mit Löchern und Eingängen - das lieben sie. Ab dem dritten Lebensjahr bestehen die meisten Marder auf Beständigkeit. Größere Veränderungen im Gehege erschrecken sie. Deshalb sollte man sie in den ersten beiden Jahren auf diverse Spielmöglichkeiten vorbereiten.
  • Tagesrhythmus: Im ersten Jahr haben die meisten Marder noch keinen festen Tag- und Nachthrythmus. Sie haben es ja durch die Aufzucht von Menschen nicht richtig gelernt. Aber der Instinkt wird seinen Teil dazu beitragen - so wird der Marder früher oder später den Tag verschlafen und die Nacht zum spielen nutzen. Die Fütterung sollte dementsprechend angepasst werden. Am besten nach Sonnenuntergang eine Kükenration und noch mal bevor die Sonne aufgeht.
  • Gesellschaft: Nein, der Marder benötigt keine Gesellschaft !!! Weder von einem weiteren Marder noch von Frettchen oder anderen Tieren. Marder sind Einzelgänger ! Im Gegenteil - einer der Gehegegenossen wird schwere Verletzungen erleiden oder sogar getötet, zumal eine Flucht ja leider nicht möglich ist. Mehr dazu weiter unten.

  • Wettergeschützte, isolierte SchlafboxErnährung: Ein Marder in Gehegehaltung hat andere Bedürfnisse als ein freilebender. Küken sind ausschlaggebend für die Ernährung. Ein Gehegemarder legt keine solchen Strecken hinter sich wie ein freier Marder und verbrennt deshalb nicht so viele Kalorien. Die Hauptbeanspruchung "das Jagen" fällt weg. Ein wilder Marder erbeutet im Frühjahr viele verschiedene Beutetiere und hat so einen Ausgeglichenen Speiseplan. Im Sommer findet er viel Obst und ein strenger Winter bedeutet oft Hunger und Verlust der Kräfte. Unsere Gehegemarder werden natürlich besser ernährt, aber an bestimmte Grundsätze sollten wir uns trotzdem halten. Ein kalter Winter verursacht mehr Fettverbrennung, da die Energie für die Wärmeproduktion benötigt wird. Hier wäre es gut mehr Mäuse zu füttern - die liefern mehr Energie und Kalorien als Küken. Außerdem kann im Winter das Obst deutlich reduziert werden, da es den Körper eher auskühlt als wärmt. Im Sommer dagegen kann Obst in gleicher Menge wie Futtertiere angeboten werden.
    Gehegemarder niemals hungern lassen, da dies den Streßfaktor erhöht.
  • Gesundheit: Die Natur bietet wesentlich mehr Abwechslung und somit einen ausgeglichenen Mineral- und Vitaminhaushalt. Deshalb sollten unbedingt einige Mineralien zugesetzt werden. Es wäre jedoch gefährlich einfach nur Vitamintabletten und Kapseln zu geben, ohne eine genaue Bedarfsanalyse zu erstellen.
  • Beruhigungsmittel: In bestimmten Ausnahmefällen können zusätzliche -weitestgehend unschädliche- Mittel verabreicht werden. Zu solchen Situationen gehören: Umzug, Umbauten im Gehege, Abwesenheit bzw. Urlaub der Bezugsperson und somit Fütterung durch eine neue Person und andere starke Streßsituationen. Von chemischen Psychopharmaka raten wir dringendst ab, zumal diese weitere gesundheitliche Probleme und Nebenwirkungen mit sich ziehen.
    Folgende Nahrungsergänzungsmittel können wir empfehlen:
    - Royal Canin Calm - Trockenfutter für Hunde, kann auch bedenkenlos dauerhaft gegeben werden. Einmal tgl. 1 Eßlöffel.
    - Relaxan-Tabletten von cp-pharma - nicht dauerhaft verabreichen, 1/2 Tablette pro Tag zerpulvert übers Futter, mind. 2 Wochen vor dem Ereignis beginnen
    - Zylkene 75mg Kapseln - wirkt stärker als Relaxan, 1/2 bis 1 Kapsel einmal tgl. verabreichen. Am besten in 2-3 kleine Rinder-Hackfleischkügelchen (nur für solche Ausnahmen) einbringen. Kann auch mal über längeren Zeitraum verabreicht werden. Wirkung setz auch erst nach 1-2 Wochen ein.

Probleme bei Gehegehaltung:

  • Stereotypien: Ein erstes Anzeichen für eine Stereotypie kann bereits sein, wenn der Marder im Gehege ohne ersichtlichen Grund hin- und herläuft. Es entstehen dadurch regelrecht Trampelpfade auf der Erde. Da man dieses Verhalten oft nicht sieht, weil es sich in der Nacht abspielt, dienen diese Pfade als sicheres Indiz dafür, dass hier eine Verhaltensstörung stattfindet. Bereits in diesem Stadium sollte mit Schüsslersalzen und dementsprechend passenden Nahrungsergänzungen eingewirkt werden. Auch hier will ich kein Pauschalrezept angeben. Das sollte auf den Marder abgestimmt werden. Um aber im Vorfeld bereits etwas zu tun, hilft Schüsslersalz Nr. 7 erstmal über die kritische Phase. Alles weitere bitte mit einem Tierheilpraktiker besprechen.
    Über diese erste Phase hinaus wird es auch schon kritisch. Sobald sich der Marder Haare ausbeißt, sich im Kreis dreht oder sogar bereits in den Schwanz beißt, ist höchste Alarmbereitschaft angesagt. Ein solches Verhalten ist nur noch sehr schwer und zeitaufwendig in den Griff zu bekommen. Oft entscheidet der Halter dann die unverzügliche Freilassung des Tieres, was allerdings meist den sicheren Tod bedeutet. Die Stereotypie ist eine Krankheit, die nicht heilbar ist. Es darf nicht unterschätzt werden, dass wir dem Tier die Möglichkeit zu jagen und sich zu verteidigen bereits abgewöhnt haben. Diese Instinkte nun trotz einer psychischen Erkrankung zu lernen ist unmöglich. Leider wird das in der Praxis oft so gehandhabt, zumal man das Elend im Gehege, den blutigen Schwanz und das nächtliche Schreien nicht mehr ertragen kann. Nach dem Motto: "Aus den Augen aus dem Sinn" - der wird schon zurecht kommen. Und so wird aus der Euphorie dieses wundervolle süße Schmusetier behalten zu wollen schnell eine gewisse Gleichgültigkeit - hauptsache das schlechte Gewissen ist schnell vorbei.

Erklärung von Stereotypien bei Wikipedia

Falsche Aufzucht:

Ein Hauptgrund für spätere Stereotypien ist die fehlerhafte Aufzucht. Falsche Ernährung z.B. zuckerhaltigen Speisen oder Babygläschen verursachen meist bleibende Schäden im Stoffwechsel.

Schoßmarder:Das Gebiß eines Marders ist nciht zu unterschätzen

Einen Marder für die Kinder als Spielersatz zu behalten ist absolut fahrlässig. Wer denkt, das Tierchen bleibt so lieb und schmusig, der täuscht sich gewaltig. Es ist und bleibt ein Wildtier - bitte das nie vergessen. Ebenso sollte der kleine Marder nie mehrere Bezugspersonen haben. Das verursacht bei einer späteren Gehegehaltung ein noch extremeres Revierverhalten. Das Gehege sollte später nur von max. 2 verantwortungsbewussten Erwachsenen betreten werden. Außerdem soll der Marder nie ohne seinen Willen festgehalten werden und schon garnicht mit dem Mund geküsst werden. Wie jedes Lebewesen haben auch wir Menschen an den Mundwinkeln Flüssigkeiten, die einer Markierung gleichkommen. Somit würden wir den Marder als unser Eigentum markieren, was schnell zu einer Gegenreaktion führen kann. Der Pfleger sollte sich im Gehege devot benehmen - als Besucher. Wir sollten uns zurückhalten und sofort das Gehege verlassen, wenn der Marder dies anzeigt. Bei einem Rüden im Gehege wird sich dieses Verhalten ab dem 2. Jahr sehr deutlich machen. Ab jetzt ist es auch sinnvoll das Gehege nur mit langen Hosen, Stiefeln und Kettenhandschuhen (Stechhandschuhe vom Metzgerbedarf - siehe Foto unten) zu betreten. Sie denken das wäre übertrieben ? Ok, dann warten sie ab bis ihre Hände zum ersten Mal blutig gebissen sind. Bloß noch eins: Bestrafen sie dann bitte nicht den Marder - er handelt aus reinem Überlebens- bzw. Revierinstinkt. Falsch gemacht haben hier nur die Menschen etwas - nicht das Tier.
Kettenhandschuhe für den umgang mit dem kleien Raubtier Bei Marderfähen verhält sich die Sache etwas anders. Da sie auch in der freien Natur ihre Reviere mit anderen Fähen und mind. einem Rüden teilen, ist das Verhalten im Gehege etwas sozialer. Die Mädchen sind oft wesentlich länger schmusig eingestellt und greifen auch nicht so schnell an - Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber seien sie bitte immer darauf gefasst, dass aus Spaß Ernst wird. Foto rechts: Diese Zähnchen können sehr schmerzhaft sein.

Foto links: Ein guter und leider oft notwendiger Schutz bei der Haltung eines Marders im Gehege.

Einzelhaltung:

Der Marder ist und bleibt ein Einzelgänger. Lediglich zur Paarungszeit und bei den Fähen während der Aufzucht der Jungen dulden sie andere Marder in der Nähe. Wir Menschen neigen dazu so eine Einzelhaltung mit Einsamkeit zu vergleichen. Bis zum zweiten Jahr kann die Haltung als Paar (Fähe und Rüde) noch funktionieren, wird aber dann irgendwann in ein starkes Dominanzverhalten umspringen. Das kann dann zu schweren Verletzungen führen. Die Kämpfe nach dem zweiten Jahr können einem von beiden das Leben kosten. Ebenso unsinnig und verantwortungslos ist es einem Marder (egal ob Rüde oder Fähe) ein jüngeres Tier dazuzusetzen. Möglicherweise wird das Jungtier noch eine Weile zum spielen missbraucht. Aber bereits nach einiger Zeit wird das in Aggression umschlagen und das schwächere Jungtier wird massiv verdrängt und schlimmstenfalls todgebissen. In der freien Natur kann das schwächere Tier fliehen und sich ein anderes Revier suchen. Im Gehege ist das nicht möglich.
Davon abgesehen hoffen wir inständig, dass sie diesen einen Marder nur Aufgrund einer Behinderung nicht auswildern können und ihn somit im Gehege halten. Da Behinderungen bei Mardern äußerst selten sind, wird sich kaum ein zweiter Behinderter finden. Und einen gesunden Marder als Gesellschafter dazu zu mißbrauchen ist absolut verantwortungslos.

Verspätete Auswilderung

Bei einem gesunden, unkastrierten Steinmarder sollte die Möglichkeit einer verspäteten Auswilderung auf jeden Fall versucht werden. Lesen sie dazu bitte unter: Auswilderung versäumt

Marderhilfsnetz  •  Copyright © 2015 by Karin Amann