Auswilderung versäumt ?!

Leider erreichen uns jedes Jahr Anfragen zu Mardern, die im Geburtsjahr nicht ausgewildert wurden. Da wir auch diesen Mardern helfen möchten, geben wir ihnen hier Möglichkeiten an die Hand wie sie eine verspätete Auswilderung doch noch bewerkstelligen können. Leider bedeutet das für das Tier extremen Stress, zumal es sich dabei meist um verhaltensgestörte Marder handelt, welche bereits zu sehr auf den Menschen geprägt sind und obendrein oftmals falsch ernährt wurden.

Vorab sei gleich erwähnt: Kastrierte Steinmarder können nicht mehr ausgewildert werden. In diesem Fall lesen sie bitte weiter unter Gehegehaltung.

1-Jährige Marder
Bei jugendlichen Mardern vom Vorjahr kann ein Versuch unternommen werden, sie in einer Gruppe von diesjährigen Mardern zu integrieren. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Ein erstes Interesse an den Jungmardern bedeutet nicht, dass es ohne Probleme weitergeht. Der ältere Marder wird versuchen, die Kleineren zu unterdrücken und schlimmstenfalls seinen Revieranspruch geltend machen, was mit schweren Verletzungen enden kann. Die Gruppe der Jungmarder muss bereits topfit sein und sollte die 1 kg - Grenze überschritten haben. Der Versuch hat mit einer Fähe deutlich mehr Aussicht auf Erfolg als mit einem 1-jährigen Rüden, weil bei diesem das Revierverhalten deutlich stärker ausgeprägt sein wird.
Bitte so eine Zusammenführung nur starten, wenn genügend Erfahrung mit Mardern vorhanden ist !

Auswilderung eines einzelnen, älteren Marders:

  • Haushaltung - Ein Steinmarder hat im Wohnzimmer absolut nichts verloren. Auch wenn der Marder ein Kulturfolger ist, heißt es nicht, dass er in unsere Wohnzimmer und Häuser einziehen soll. Genau das kann dem Tier später zum Verhängnis werden - nämlich genau dann, wenn der Marder bei den ersten Spaziergängen durch die Gemeinde bei Familie Müller im Wohnzimmer steht. Ein Anruf beim Jäger bedeutet ziemlich sicher den Tod des Tieres, zumal die fehlende Scheu mit der Tollwut verwechselt werden kann.
    Um das Tier vom Haus zu entwöhnen ist es dringend nötig einen Unterschlupf außerhalb des Hauses anzubieten. Das kann eine Garage, ein Schuppen oder ein Gartenhaus sein. Es sollte jedoch freier Zugang für das Tier bestehen. Dies aber erst nach einigen Tagen der Gewöhnung an den neuen Ort und vor allem erst mal nachts, damit der Tag-Nacht-Rhythmus sich wieder einstellen kann. Fütterung und Kontakt zur Bezugsperson sollte nur noch dort stattfinden (auch das am besten nach und nach in die Abendstunden verlegen) .
  • Menschen - Falls bisher mehrere Familienmitglieder Kontakt zu dem Marder hatten, sollte dieser auf eine Person beschränkt werden. Der schlimmste Feind eines Marders ist nun mal der Mensch. Dem Tier also diese Scheu zu nehmen kann später seinen Tod bedeuten. Jeder freilebende Marder weiß das und wird sich den Menschen nicht freiwillig zeigen. Leider ist es bei dieser verspäteten Auswilderung nötig dass sich eine Person weiterhin um das Tier kümmert, zumal dieses vermutlich keine Ahnung hat was es da draußen erwartet. Den Kontakt abrupt abzubrechen würde ich nicht empfehlen. Der Marder würde orientierungslos drauf loslaufen. Der erst Kontakt mit einem Menschen oder sogar einem anderen Wildtier könnte bei diesem unerfahrenen Tier bereits zum Verhängnis werden. Also, Hilfestellung ist nötig.
  • Hunde - Zu erwähnen, dass ein Marder nicht mit einem Hund aufwachsen soll ist hoffentlich überflüssig. Falls es doch der Fall ist, haben sie dem Marder somit bereits seinen eigenen Strick gedreht. Da er Hunde nun nicht mehr als Feind sondern als Spielkameraden ansieht, wird er überrascht sein, was der Hund des Jägers davon hält. Der Bauernhofhund im Zwinger (gibt es ja leider noch) wird ebenfalls erfreut sein über einen solchen Kontakt. Aber auch der Jack-Russel-Terrier des Nachbarn wird nicht lange fackeln und zubeißen. Fazit: Kontakt zum Hund unverzüglich vermeiden.
  • Tagesrhythmus - Erste Spaziergänge am besten nur bei Nacht. Das ganze Leben und Wirken eines Marders hängt von diesem Rhythmus ab. Nur so bleibt er seinen Feinden verborgen und findet die entsprechenden Jagdmöglichkeiten.
  • Ernährung - Ausschließlich Küken, frischtote Vögel (die Todesursache sollte allerdings geklärt sein um eine Vergiftung auszuschließen) und Mäuse. Entsprechend der Jahreszeit kann einheimisches Obst angeboten werden. Küken und Mäuse bekommen sie über diverse Frostfutterhandel - siehe Linkseite
  • Gesundheit - Das Tier sollte zur Auswilderung gesund, fit und gut genährt sein. Falls Medikamente wie Antibiotika gegeben wurden, muss eine ausreichende Darmsanierung abgeschlossen sein, da ansonsten das Immunsystem nicht funktioniert und schon der kleinste Kratzer zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann.
  • Auswilderungsort - einen älteren Marder einfach in den Wald zu setzen bedeutet mit höchster Wahrscheinlichkeit seinen Tod. Er hat nie gelernt sich zu verteidigen, zu verstecken und schon garnicht sich seine Beute zu fangen. Die beste Fariante ist die Auswilderung vom Haus aus. Also direkt auf ihrem Grundstück. Dazu sollte ein passendes Gehege aufgestellt werden, in dem der Marderzunächst einige Wochen wohnt und gemeinsam mit ihnen abends mehrere Stunden die Umgebung erforschen kann. Dabei muß das Verhalten und die Gesundheit immer genau beobachtet werden. Falls diese Methode nicht möglich ist, bleibt nur noch die Waldauswilderung. Allerdings muß hier sehr lange und behutsam vorgegangen werden. Ein zu schnelles Auswildern bedeutet absoluten Streß für das Tier, welcher wiederum zu Selbstverstümmelung führen kann.

Probleme bei einer verspäteten Auswilderung:

  • Stereotypien - Leider ist es oft so, dass sich Menschen, die einen Steinmarder im Wohnzimmer haben, nicht ausreichend über die Aufzucht dieser Tiere informiert haben. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Tiere nicht artgerecht ernährt wurden. Das begünstigt jede Art von Stereotypie. Mehr über artgerechte Ernährung finden sie unter Futter & Ernährung. Aber selbst wenn richtig gefüttert wurde, kann es passieren, dass der Marder mit dieser verspäteten Auswilderung argen Stress bekommt. Das reicht von Schreien über "im Kreis laufen" bis zu "Schwanz blutig beißen" - siehe Foto. Bestenfalls sind es erstmal nur die Schwanzhaare die er sich abnagt - was gleichzusetzen ist mit "Fingernägel kauen" beim Menschen. Sobald sich eines dieser Zeichen andeutet, muss unverzüglich gehandelt werden. Chemie wäre hier falsch am Platz und würde die Situation nur noch verschlimmern. Als "Erste Hilfe" ist hier immer die "Heiße 7"(1 ml warmes Wasser + 2-3 Tabletten Schüssler Nr. 7 - Innerhalb 2 Minuten tropfenweise verabreichen) zu raten. Bei solchen Stress-Situationen reichen aber auf Dauer die Schüsslertabletten nicht aus. Es sollte ein gut verwertbares Magnesium gegeben werden. Fragen sie dazu am besten einen Tierheilpraktiker um Rat. Bei Stereotypien in massiver bzw. fortgeschrittener Form ist eine Auswilderung nicht mehr möglich. Eine derartige, psychische Erkrankung bedeutet in freier Natur meist den Tod des Tieres.
    Erklärung von Stereotypien bei Wikipedia
  • Angst - Ist ebenfalls ein Zeichen für falsche Aufzucht. In den meisten Fällen kann man hier von einer Mangelerscheinung ausgehen. Aber auch die Fehlprägung und die fehlenden Impulse einer Aufzucht in der Gruppe spielen hier eine Rolle. So ein Tier bitte nicht einfach einzeln auswildern. Nur mit einer Gruppe bestehen hier noch gute Chancen.
  • Mangelerscheinungen - Kommen an sich nur vor, wenn nicht artgerecht gefüttert wurde. Meist handelt es sich um einen Calciummangel, der schnell behoben werden muss. Fütterung wie oben geschrieben und zusätzliche Gaben von Schüsslersalzen Nr. 1 und 2 können dabei helfen. In schlimmen Fällen sollte auch hier ein gutes Calciumpräparat eingesetzt werden. Da jeder Marder anders ist und die Symptome nicht gleichgesetzt werden können gibt es keine pauschale Behandlungsmethode.
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