Auswilderung Wald-Methode

Die schwierigste, langwierigste und nervenaufreibendste Methode die Kleinen auszuwildern. Trotzdem eine gute lösung für Menschen, die nicht am eigenen Haus auswildern können und doch alles richtig machen wollen.
Menschen, die keinen Pflegeplatz gefunden haben bzw. sich erst dann Gedanken machen, wenn es bereits zu spät ist und der jugendliche Marder die Wohnung zerlegt - ist diese Methode nicht geeignet. Hier ist oft jede Hilfe auf auswildern vergebens. Solche Menschen haben sich mit Sicherheit auch nicht über artgerechtes Futter und Aufzucht informiert und haben jetzt einen kranken und psychisch gestörten Steinmarder zuhause sitzen. Wie zum Teufel noch mal kommen Menschen immer wieder auf die Idee, man könne ein Wildtier im Wohnzimmer halten ???? !!!! Für diesen Fall lesen sie bitte unter:
Auswilderung versäumt

So geht's:
Ab der 8. Lebenswoche gewöhnen sich die Marder an ihre Umgebung, da sie sehr ortsbezogen sind. Geräusche und Gerüche werden jetzt bereits aufgenommen und mit einem Ort in Verbindung gebracht. Natürlich ist es bei der Waldauswilderung oft nicht möglich mit der Gruppe bereits vorher in diesem Wald Erkundungsspaziergänge zu machen. Dazu wäre es nötig, dass die Gruppe sehr menschenbezogen ist - und genau das wollen wir ab jetzt ja unterbinden. Um die Zeit bis zur Auswilderung im Wald zu überbrücken ist es von Vorteil ein entsprechendes Aufzuchtgehege zur Verfügung zu haben - siehe Foto. Alternativen dazu könnten Schuppen, Scheune, Garage oder Kellerraum sein. Der Nachteil ist dabei jedoch, dass die Marder nichts vom Wetter und von Tag-Nacht-Rythmus mitbekommen.
Die Gruppe sollte vor Beginn der Auswilderung schon zusammen gewöhnt sein. Gruppengrößen und Auswilderungsvoraussetzungen finden sie unter: Auswilderung Allgemein

Der Wald: Sollte weit weg von Menschen und Straßen sein. Obstbäume und Beutetiere sollen in der Nähe sein. Idealerweise sollte eine Scheune oder verlassene Hütte vorhanden sein. Hier aber bitte erst abchecken, ob sie nicht schon von einem anderen Marder bewohnt ist. Außerdem sollte es mit dem Jagdpächter, Förster und/oder Waldbesitzer abgesprochen und genehmigt sein. Ansonsten könnte es unschöne Überaschungen geben wenn das Gehege plötzlich weg ist oder sie bei ihrem tägliche Fütterungsbesuch bereits erwartet werden.

Die Jungmarder müssen fähig sein Mäuse und Vögel zu jagen. Das setzt voraus, dass sie bereits seit mehreren Wochen Eintagsküken und Mäuse zu fressen bekommen haben. Gegartes Hühnchenfleisch und Dosenfutter gibt es im Wald nun mal nicht.

Das Gehege: In jedem Wald gibt es Füchse, Eulen, Greifvögel und andere Gefahren. Um die jungen, unerfahrenen Marder vor diesen Gefahren erstmal zu schützen sollte ein Auswilderuntgsgehege zur Verfügung stehen. Da wir jedes Jahr erneut Marder auf diese Art auswildern, haben wir hierfür spezielle, dauerhaft haltbare Gehege gebaut - sieh Foto. Falls sie lediglich einmal auswildern, können sie evtl. ein größeres Kaninchengehege dafür zweckentfremden oder sich ein Frettchengehege ausleihen (Frettchenvereine, Tierheime usw.). Ein trockenes Schlafhaus - angepaßt an die Gruppengröße - mit mardergroßen Eingangslöchern wäre auch von Vorteil - siehe Foto der Schlafbox.

Stabil und fürs Leben gebaut ! Das Gehege (Breite 1,5 m, Länge 3 m, Höhe 1 m) wurde vor dem Einsatz im Wald noch wetterfest und dunkel gestrichen - so ist besser getarnt und auch bei Nässe über mehrere Jahre haltbar. Hinten und vorne kommen noch Mardergroße Eingänge - so können die Marder schnell hinein ohne dass der Feind hinterherkommt.

Die Schlafbox (in unserem Fall ebenfalls dauerhaft und stabil gebaut) sollte auch 2 Eingänge haben. Wir haben eine Abteilung eingegebaut um die Marder bei der Fütterung nicht zu stören. So können wir die Küken in den Eingang legen ohne jedesmal die ganze Klappe zu öffnen. Die Marder sollen ja auch die Fütterung nicht mehr mit Menschen in Verbindung bringen.

Die Schlafbox sollte idealerweise bereits lange vor der geplanten Auswilderung im Aufzuchtgehege stehen. so gewöhnen sich die Jungmarder bereits daran und verknüpfen Vertrauen und Zuflucht damit. Am Tag der Fahrt in den Wald sollte die Gruppe am besten bereits in der Box verweilen, so kann man unnötigen Streß mit dem Einfangen vermeiden. Für den Transport haben wir entsprechende Holzbretter mit Luftlöchern, die wir direkt anschrauben und erst im Wald wieder öffnen .

Das Gehege sollte mit Ästen getarnt der Umgebung angepaßt werden. Vermeiden sie, dass Pilzesucher oder Jogger zufällig über das Gehege purzeln. Ein Schildchen am Gehege mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine Wildtierauswilderung handelt, ihrem Namen und ihrer Telefonummer für Notfälle, ist ebenfalls von Vorteil. Ein Beispieltext dafür könnte so aussehen:
Hier findet die Auswilderung von Wildtieren statt !
Bitte das Gehege nicht öffnen, nicht füttern und den Platz leise wieder verlassen. Das Areal ist Kameraüberwacht.
Diese Auswilderung ist genehmigt von Max Mustermann.
Betreuung der Tiere durch Paula Platzhalter Tel.: xxxxxxxxxx

So ist das Gehege kaum zu erkennen.

Aufnahme mit der Wildkamera - Video.

Im Wald angekommen, sollte die Schlafbox in das Gehege gestellt und dann erst wieder geöffnet werden. Stellen sie Waser in entsprechend schweren Schalen auf, um umwerfen zu vermeiden. Küken, Obst, evtl. Trockenfutter (ohne Getreide, bevorzugt Frettchenfutter) deponieren - zunächst besser in der Box. Je nachdem, wie ängstlich die Marder sind, kann es sein, dass sie erst spät in der Nacht die Box verlassen. Wie lange die Marder nun im Gehege bleiben sollen ist von Gruppe zu Gruppe anders. Wir hängen eine Wildkamera auf, die das Gehege im Blick hat und durch einen Bewegungsmelder kurze Videos aufzeichnet. Anhand dieser Videos sehen wir dann, was die Bande in der ersten Nacht angestellt hat. Außerdem erkennt man sehr gut, anden Rändern ob hier bereits Freiheitsdrang vorherrscht - wurde massiv gegraben ?

Der Kontakt zum Menschen soll gravierend beschränkt werden. Nicht mehr lieb haben, schmusen oder verhätscheln. Nur noch Futter hinbringen, Kot aus der Box entfernen, Wasser erneuern, Gesundheitskontrolle und wieder weg.
Erst wenn eine gewisse Scheu zum Menschen aufgebaut ist, kann man davon ausgehen, dass die Marder selbst überleben können.

Feinde: Aus meiner Erfahrung gibt es tatsächlich wenige echte Gefahren für die Marderkinder.
Eine dieser Gefahren wäre der Uhu. Er jagt in der Nacht, sieht gut und kann einen Marder ohne große Mühe mit den Fängen aufnehmen und töten.
Die nächste Gefahr ist dann auch schon der Mensch selbst. Unter dieser Gattung wäre zunächst der Trapper und dann der Jäger zu nennen. Deshalb bitte immer beim zuständigen Forstamt nachfragen.
Andere Marder gibt es ansich immer. Die Jungmarder haben hier jedoch nicht um ihr Leben zu fürchten. Der Reviermarder würde die Jungen sicher vergrämen aber nicht ernsthaft verletzen. Kämpfe können jedoch dann tödlich enden, wenn der Jungmarder nicht um ein ausreichendes Immunsystem verfügt um mit kleinen Plessuren und Bissen selbst fertig zu werden. Deshalb wiederholen wir uns auf der gesammten Homepage immer wieder indem wir empfehlen, Antibiotika nur einzusetzen wenn unbedingt nötig und anschließend eine längere Darmsanierung durchzuführen. Das gleiche gilt für Entwurmungen.
Der Fuchs gehört ansich auch nicht zu den direkten Feinden des Marders. Jungfüchse würden sich sogar spielerisch den Marderkindern nähern. Etwas kritischer könnte ein ausgewachsener Revierfuchs sein, der zunächst allem hinterherjagt, was sich bewegt. Der wehrhafte Marder wird aber sicher seinen Teil dazu beitragen dass der Fuchs von ihm abläßt. Schwere und sogar tödliche Verletzungen kann es aber bei diesem Zusammentreffen geben.
Hier ein Video auf dem Jungmarder und Jungfuchs recht friedlich zusammen zu sehen sind: Fuchs und Marder im Video

Eintaksküken müssen sehr lange angeboten werdenFuttermengen und Dauer: Ab der ersten Übernachtung allein da draußen sind 3-4 Küken pro Marder als Ration sehr gut. Außerdem entsprechend frisches Wasser, Obst und Trockenfutter. Nach den ersten 2 Wochen können die Rationen etwas gekürzt werden. So haben die Kleinen Anfangs noch die Möglichkeit ihr Revier zu erkunden und Kräfte für evtl. Kämpfe zu sammeln ohne sich um die Futterbeschaffung kümmern zu müssen. Dann allerdings wird immer weniger Futter bereitgestellt - so werden sie animiert selber zu jagen. An dieser Stelle kann ich ihnen weder einen Zeitpunkt noch eine Futtermenge nennen. Nur anhand ihrer Beobachtungen, etwas Feingefühl und dem Verhalten der Marder können sie diese Dinge beurteilen und danach handeln. Ebenso hängt es von mehreren Faktoren ab wie lange sie zufüttern sollten. Ist die Gruppe schnell selbständig und kommt nur noch am frühen morgen mal vorbei um zu sehen ob Futter da ist, kann langsam das Zufüttern eingestellt werden. Warten die Jungmarder jedoch täglich halb verhungert auf Mampfi, kann es noch dauern. Im Normalfall kann die Unterstützung jedoch im September/Oktober eingestellt werden.

Mit dieser Auswilderungsart haben die Jungmarder eine sehr gute Chance ihren Weg in der Natur zu meistern.

Und vergessen sie nicht: Es sind Wildtiere und nur da draußen glücklich !!

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