Spezifisches zum Hermelin

Steckbrief Hermelin (Mustela erminea), syn. Großes Wiesel:

Klasse Säugetiere (Mammalia), Ordnung Raubtiere (Carnivora), Familie Marder (Mustelidae), Gattung Wiesel (Mustela)

Länge: Männchen: 20 - 35 cm (ohne Schwanz), Weibchen: etwas kleiner, Schwanzlänge ca. 8 - 12 cm
Gewicht: Männchen: 200 - 300 g, Weibchen: ca. 150 bis 200 g
Lebensalter: vermutlich 6 bis 7 Jahre, der Durchschnitt liegt eher bei 2-3 Jahren
Nahrung: Reiner Fleischfresser ! Kaninchen, Kleinsäuger (Mäuse und Ratten), Vögel, Fische, Reptilien (Schlangen), Amphibien (Frösche und Kröten), Insekten.
Besonderheit: Analdrüse, die bei Gefahr entleert wird (ungiftig - stinkt nur). Relativ große Ohren. Fellfarbe im Sommer: hellbraun bis braun, vom Unterkiefer über Bauch bis zum Ansatz der Hinterbeine durchgehend weißes (cremefarbiges) Fell. Im Winter: komplett weiß. Die Schwanzspitze ist ganzjährig schwarz.

Paarung: findet von April bis Juli statt. Aber nur ein Wurf pro Jahr.
Tragzeit: ca. 280 Tage inkl. Keimruhe über Winter. Tatsächliche Entwicklungszeit ca. 30 Tage.
Geburt: 4- 10 Welpen von 3 g von März bis Juni, sind blind, fast nackt,
Geschlechtsreife: Weibchen können bereits im Säuglingsalter begattet werden. Männchen erreichen die Geschlechtsreife erst im zweiten Lebensjahr
Schonzeiten: in Deutschland vom 28. Februar bis 31. Juli - in manchen Teilen Deutschland sogar ganzjährig geschützt. Siehe dazu unter: Schonzeiten in Deutschland


In unserem Team hat sich Andrea W. über die Jahre zur Wieselspezialisitn (Mauswiesel und Hermelin) entwickelt. Für Fragen zur Aufzucht und Auswilderung steht sie während der Hauptsaison per Mail zur Verfügung:
mauswiesel(ät)marderhilfsnetz.de

Aufzucht:

Optisch unterscheidet sich das Hermelin deutlich von den Mardern. Der Körperbau ist länger - Vorderbeinchen stehen zu den Hinterbeinchen weiter auseinander. Die Nackenhaare sind schon länger als das restliche Haarkleid, die weiße Brust zeichnet sich auch auf der Haut ab - zieht sich jedoch bis über den Bauch. Die Abgrenzung des weißen Bauches zum braunen Fell ist sehr stark linear abgegrenzt.

Bei sehr jungen Wieselchen - unter 3 Wochen - empfiehlt sich wieder Aufzuchtmilch. Bei Verdauungsbeschwerden kann die Milch mit stark verdünntem Kamille/Fencheltee angerührt werden. Hermelinbaby

Die Zähne entwickeln sich bereits, wenn die Augen noch zu sind. Das Öffnen der Augen beginnt mit der zweiten Woche - bei Handaufzuchten kann dies auch später erfolgen (erst ab der 4. Woche). In der Natur werden die Kleinen Hermeline bis zu 10 Wochen gesäugt. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sie die Ersatzmilch nicht besonders mögen und diese bereits viel früher verweigern. Zunächst kann abwechselnd Aufzuchtmilch und Kittenfutter gegeben werden. Jedoch nie zusammen mischen - gibt böse Bauchweh und Durchfall. Entweder gleich voll umsteigen auf Animonda oder mind. 1 Stunde zwischen Milch und Futter abwarten.

Futterbrei herstellen:
Sobald die ersten Zähnchen im Ansatz sind kann auf feste Nahrung umgestiegen werden. Dazu eignet sich für den Anfang am besten "Animonda Kittenfutter" - in Schälchen. Da dies jedoch auch oft noch zu grob ist empfiehlt es sich das Futter mit einem Teelöffel durch ein Teesieb zu drücken. Die gewonnene Paste hält sehr gut, wenn man sie in eine 5 ml- Spritze füllt und im Kühlschrank aufbewahrt. Zu jeder Mahlzeit (zunächst eine Menge in Erbsengröße später in Haselnussgröße) kann die Paste gut dosiert auf einen angewärmten Teelöffel gegeben werden. Die kleinen mampfen das dann in windeseile weg. Das pürierte Animonda kann auch sehr gut mit ein paar Tröpfchen "Roconvales Tonicum von der Firma alfavet" verdünnt werden - läßt sich so leichter von dem Zwerg aufnehmen und gibt mehr Kraft.

deutlich längere figur als SteinmarderDas Animonda dient ebenfalls nur als Übergangsnahrung. Wie unten in der Tabelle zu entnehmen ist, muß sehr schnell auf Artgerechte Nahrung umgestiegen werden - nämlich Mäuse. Da diese noch zu groß sind, sollten unbehaarte Babymäuse in kleine Stückchen geschnitten werden. Genauso bekommt er es in der Natur von der richtigen Mama auch angeboten. Wem das zuwieder ist, der sollte das Hermelin schnellstmöglich in erfahrene Hände geben.

Beim "Kot absetzen" sind die Wiesel auch schneller sauber als die Marder. Sobald feste Nahrung gegeben wird, verlassen sie zum Kot absetzen das Nest - finden dann aber nicht gleich wieder hinein. Hier öfter mal Hilfestellung geben. Wärme ist immer noch sehr wichtig.

Als Anhaltspunkt für Futtermengen- und Zeiten dient folgende Tabelle:

Estversorgung In den ersten Stunden nach Fund immer erst die Teemischung - genau Beschreibung siehe auch Erste Hilfe
bis 20 Gramm Gewicht Aufzuchtmilch - ca. alle 2 Stunden bis zu 1 ml / auch Nachts
ab 20 Gramm oder wenn die Zähnchen deutlich zu spüren sind alle 2 Stunden ca. 2-3 ml püriertes Animonda / Nachts alle 3-4 Stunden
ab 30 Gramm Gewicht alle 3 Std. ca. 5 ml (solange eine tägliche Gewichtszunahme vorhanden ist, sind auch kleinere Portionen im Rahmen) / Nachts alle 4-5 Stunden. Sobald das Animonda nicht mehr so gern genommen wird, sind Mäuse nötig. Dazu am besten gefrorene Babymäuse in feine Scheibchen schneiden und roh servieren. Bitte kein Rind- oder Schweinehackfleisch !!!
über 40 Gramm Futtermenge steigern, frißt bereits aus einem Schüsselchen, zusätzliches Wasser ist nicht nötig, kann aber angeboten werden.
ab Öffnung der Augen abwechselnd Animonda und Babymäuse - soviel es haben will.
ab ca. 100 Gramm Animonda und normale, behaarte Mäuse
Ausgewachsen Animonda langsam einstellen - nur noch Mäuse, auch mal ein Küken

Unsere Empfehlungen

Milch / Tee zuerst immer Teemischung aus Fenchel und Kamille danach Royal Canin Kitten- oder Welpen Aufzuchtmilch bzw. Gimpet-Aufzuchtmilch, 1 ml-Spritze
Futter sobald Zähnchen vorhanden sind -> Animonda Kitten Schälchen, später kleine Mäuse, kein Obst, keine Vitaminpasten, lebendes Futter ist nicht zwingend nötig
Aufzucht Fütterung, Bauchmassage, entspr. Wärme (Körperwärme), von Katzen fernhalten, Unterkunft am besten in Transportbox (Kugelbox), Leinentücher oder Fleecestoffe (kein Frotte), kein Heu oder Stroh, kein Katzenstreu
Auswilderung sobald das Hermelin laufen und klettern kann 1-3 Wochen am künftigen Auswilderungsplatz einquartieren -> Kleintierstall ca. 1-2 qm, Gitterstärke beachten; Stundenweise Freigang in Begleitung; weiterhin Fütterung an einem festen Platz (im Gehege)
Einzelkind Beim Hermelin gut möglich - besser zu Zweit. Vergesellschaftung sollte jedoch vor Öffnung der Augen stattfinden - sonst Probleme und Beißereien
Medikamente Schlecht verträglich - nur im absoluten Notfall anwenden, Flöhe und Zecken absammeln

Auswilderung:

Die Aufzucht macht großen Spaß. Sobald die Kleinen draußen laufen dürfen machen sie extrem schnelle Fortschritte. Heute noch tolpatschig vom Schlafhaus gefallen - morgen schon auf dem Weg zum Baumgipfel.

Besonders dabei ist der Hermelintanz. Was zunächst noch aussieht wie "einfach zum Spaß Hacken schlagen" und "Saltos" ist in Wirklichkeit das Üben für die Jagd. Böse Zungen sagen, die Hermeline tanzen vor der Beute solange bis diese Hypnotisiert ist und dann schlägt es zu. Stimmt auch beinahe. Das Hermelin tanzt so schnell und wild vor der Beute herum, dass diese nicht mehr weiß in welche Richtung sie entkommen kann.

Eine ungefäre Vorstellung dieses Tanzes kann man auf folgendem Video sehen: "Hermelin 2010" - Karin Amann

Lange bleiben die Hermeline allerdings nicht im Minigehege. Der Freiheitsdrang schreitet sehr schnell voran.

Flink wie ein Hermelin

Zunächst wird noch der umliegende Garten untersucht aber sehr schnell werden die Kreise größer.

Neugieriges Hermelin

Ein Gehege für die ersten Übernachtungen im Freien. Es soll geschützt vor anderen Tieren sein. Kletter- und Versteckmöglichkeiten sind wichtig.

Gehege für Hermeline

Hermelingehege

Die Hermelin-Aufzucht war für mich persönlich das Highlight 2010. Unkomplizierter und schöner konnte es garnicht laufen. Beide Hermeline sind erfolgreich ausgewildert. Einer der beiden wurde 3 Monate nach Auswilderung sogar von uns erkannt - Lebendig, Gesund und Munter !

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