| Das
Marderjahr 2010 ist endlich vorbei. "Endlich"
sage ich deshalb, weil es gegen Ende der Saison immer
sehr an meine Kräfte geht. Jeder einzelne Fall
nimmt mich persönlich immer sehr mit. Dieses Jahr
war extrem hart. Zwei Fälle haben mich 2010 besonders
mitgenommen - lesen sie dazu weiter unten (Marderchen
"Stinki" und "Mardermädchen in Not").
Doch wenn ich dann am Ende der Saison die vielen Erlebnisse
revuepassieren lasse, stell ich immer wieder fest: "Ich
muß durchhalten - für die Marder !"
Die
schönsten Erlebnisse:
Das
absolute Highlight in diesem Jahr war Hermelin "Feivel".
Es war ein Anruf aus Kelheim: Marderbaby gefunden -
ca. 6 cm lang, Augen zu, nackt !! Nach Steinmarder klang
das garnicht. Wir sind sofort hingefahren und haben
den Wurm abgeholt. Eine engagierte junge Frau hat das
Kerlchen am Straßenrand zappeln gesehen, als die
an der Bahnschranke anhalten mußte. Ein paar Meter
weiter lag die tote Mama - überfahren. Schnell
war klar, es ist ein Wiesel. Bereits nach wenigen Tagen
färbte sich die Schwanzspitze schwarz - uiiiii
ein Hermelin !!! Er war so quirlig und wuselig und bekam
den Namen "Feivel". Feivel wuchs so schnell
und entwickelte sich so prächtig - man kam mit
dem schauen garnicht mit. Ich versuchte ihn nicht an
mich zu binden. Er sollte ja später einen großen
Bogen von Menschen machen. Hmmmm.... Feivel sah das
anders. Als er endlich in das kleine Freigehege ziehen
konnte, fand sich auch ein zweites handaufgezogenes
Hermelin als Gesellschaft. Wir holten "Dolly"
in Soltau ab. Die beiden verlebten wundervolle Wochen
zusammen. Die auswilderung ging fast etwas zu schnell.
Wie gerne hätte ich gesehen wie Feivel sein Sommerfell
in ein schneeweißes Winterpelzchen tauscht. Aber
Feivel war nun ein großes Hermelin und wollte
die Welt erkunden. Der Zweifel nach seinem Verschwinden
war groß - Hat er überlebt ? Die Gewissheit
folgte nach 3 Monaten. Armin war geschäftlich im
ca. 1 km entfernten Betonwerk. Am Boden lagen überall
Betonsteine zum trocknen. Plötzlich sah Armin zwischen
diesen Steinen in ca. 30 m Entfernung etwas hüpfen.
Gewohnheitsmäsig ging er in die Hocke und schrie
"Frr frrr..... Feivel !!!" Das Tierchen lief
bis auf 10 Meter zu ihm hin, machte Männchen und
schaute ihn an. Armin wußte sofort: Ja es ist
Feivel ! Er drehte um und hüpfte wieder in Richtung
Wiese. Das sind die kleinen Beweise, auf die wir Mardermamis
immer hoffen.
Ich
wünsche euch allen, dass ihr diese kleinen Lichtblicke
auch erleben dürft.
Die schlimmsten Erlebnisse:
Dieses
Jahr fällt es mir besonders schwer darüber
zu schreiben. Manche Erlebnisse möchte man schnell
verdrängen und vergessen. Ich hab lange überlegt,
ob ich euch von "Stinki" erzählen soll.
Aber gut, vielleicht hilft es mir ja damit abzuschließen,
indem ich es hier schreibe.
"Stinki"
- In Andenken an einen wundervollen, kleinen Marder
! :
Mitte Mai 2010 kam eine Mail von Frau H. aus Bayern:
"......die Hinterbeine meines Marders sind
völlig bewegungslos, haben kein Gefühl, keine
Muskeln und hängen am Körper, als ob sie nicht
dazu gehören. Allerdings mitwachsen tun sie schon.
Beim Krabbeln zieht er sie einfach hinterher. .....
". Weitere Informationen waren, dass das Marderchen
vor mehreren Wochen in der Scheune von den Hunden aufgespührt
wurde. Die Mutter konnte wohl mit einem weiteren Baby
fliehen - Stinki wurde jedoch durch die Hunde in die
Luft geworfen. Da Frau H. nicht so weit von mir weg
wohnte, holten wir Stinki noch am gleichen Abend zu
uns. Eine Ferndiagnose oder einfach nur Schüsslersalze
verordnen wäre hier Quatsch gewesen. Ich verblieb
mit Frau H. so, dass ich alles versuchen werde und wenn
eine Entscheidung gefällt werden muß ich
es mit ihr absprechen würde.
Es folgte ein Therapie-Marathon. Stinki war bis zum
Bauchnabel ein lustiges Marderchen - aber der Rest war
nicht lebendig. Zusammen mit einer Physiotherapeutin
arbeitete ich einen Behandlungsplan aus. Täglich
3-4 mal ca. 1 Stunde Massagen der Beinchen und Muskulatur
sowie Vitamin-B, Cortison, Infusionen und Schüsslersalze.
Ich kämpfte Tag und Nacht um irgendein Zeichen
von Bewegung zu erhalten. Telefonate mit diversen Tierärzten
in ganz Deutschland und schließlich der Besuch
bei einem Neurologischen Tierarzt machten mir wenig
Hoffnung. Alle machten mir klar, dass eine Behandlung
nur in den ersten 48 Stunden nach dem auslösenden
Geschehen Erfolg gehabt hätten.
Meine Mails und Anrufe an Frau H. blieben unbeantwortet.
Mir schlich sich der Gedanke ein, dass sie froh war,
diese Belastung los zu sein und nichts mehr von Stinki
wissen wollte. Nach 5 Tagen - meine Hoffnung war dahin,
meine Nerven am Ende - startete ich einen letzten Versuch
in einer Tierklinik. Die Chefin der Klinik sah Stinki
an und erklärte mir sofort, dass es keine Hoffnung
mehr gibt. Nun stand ich hier mit Stinki in meinem Arm
! Er sah mich an und forderte mich mit den Vorderpfoten
zum spielen auf. Seine lustigen kleinen Knopfaugen sahen
mich an ... mir liefen die Tränen in Bächen
über die Wangen. Aufgrund meiner langen Erfahrung
mit Mardern sah ich Stinki's Zukunft vor mir: Ein ausgewachsener
Seinmarder, der sich mit den Vorderpfoten über
den Boden schleift, die Hinterbeine am Boden blutig
geschleift, der Po durch die Inkontinenz (aufgund der
Lähmung) entzündet und Kotverschmiert. Selbst
in Gehegehaltung könnte er niemals auf einen Ast
springen oder klettern. Nach der Pupertät würde
er keine menschliche Pflege in Form von Popo waschen
oder eincremen mehr zulassen. Seine Psyche würde
schnell in Stereotypien umschlagen, er würde sich
möglicherweise sogar die eigenen Beine anfressen
und die Haare ausrupfen. Wenn ich das diesem Tier zumuten
würde, wäre ich ein Tierquäler und hätte
meine Aufgabe" Marder zu retten" total verfehlt.
Ich mußte also eine Entscheidung treffen. Stinki
muß erlöst werden. Nur wann ? Wann ist der
richtige Zeitpunkt ? Momentan war die ganze Situation
für Stinki noch ok. Er wußte ja nicht, dass
seine Zukunft so besch.. aussehen würde. Sollte
ich noch eine Woche warten ? Oder ein halbes Jahr ?
Soll ich warten bis er seine Situation erkennt und das
erste mal versucht auf den Baum zu klettern ? Aber je
länger er bei mir bleibt, desto schwerer würde
der Schritt werden ihn einschläfern zu lassen.
Ich sah in seine Augen und mir wurde schmerzlich klar:
Nein, das werde ich uns beiden nicht antun. Mir ist
noch nie etwas schwerer gefallen. Ich kann mit Worten
nicht beschreiben wie es mir dabei ging. Stinki bekam
eine Narkose und schlief friedlich ein.
Auf der gesamten Heimfahrt mußte ich ca. 5 mal
anhalten, weil ich nicht mehr aus den Augen sah. Geplagt
von Zweifeln, Schuldgefühlen und dann doch der
Gewißheit das richtige für das Tier entschieden
zu haben machte mich fertig. Zuhause angekommen beerdigte
ich Stinki und entschuldigte mich bei ihm.
Am Abend holte ich meine Mails ab - es war ja immer
noch volle Mardersaison - da war sie: Eine Mail von
Frau H. mit der Nachfrage wie es Stinki geht. Ich antwortete
ihr und berichtete von der Entscheidung. Darauf kam
eine sehr verständnissvolle Mail von wegen: ...
es war richtig so und alle Gute weiterhin ....
Aber schon einen Tag danach folgten böse Mails
mit Vorwürfen. Ich dachte ich wär im falschen
Film. Sie wollte Stinki wieder haben, da sie der Meinung
war er würde noch leben und ich würde hier
nur meine Mardersammlung vergößern wollen.
Auch Mails ihrer Freundinen, die der Meinung waren wir
wären eine dubiose Organisation, die "wer
weiß was" mit den Mardern macht. Außerdem
hätte der Marder völlig gesund ausgehen und
es bestand kein Grund ihn zu erlösen - er war ja
lustig und hat auch gefressen und auf den Fotos hätte
er ja topfit ausgesehen usw.
Das hat mir auf meine ohnehin schon kaputte Psyche den
Rest gegeben. Das war das dritte mal in meinem Leben
wo ich am liebsten gestorben wäre. Ich brauchte
Tage um mich irgendwie zu fangen und mir ein Herz zu
nehmen die Mail zu beantworten. Ich schrieb ihr detailiert,
wie Stinki's Leben ausgesehen hätte und dass es
keinen anderen Ausweg gab. Ich war nur noch am weinen
und hatte schreckliche Angst vor weiteren Vorwürfen.
Die letzte Mail von Frau H. war dann diese:
Hallo
Karin,
es
tut mir leid, dass dich meine Vorwürfe so getroffen
haben. Ja ich habe
mich da in etwas hinein gesteigert, aber jetzt vertraue
ich dir ganz und gar
und verstehe, dass deine Entscheidung richtig war. Ich
glaubte wirklich,
dass ihr mir den Stinki nur wegnehmen wolltet und mich
angeschwindelt habt
und das konnte ich nicht ertragen. Entschuldige bitte.
Ich wünsche euch weiterhin alles Gute bei eurer
Arbeit.
Gruß H....
Hermeline
und Iltisse - Tod durch Entwurmung:
Besonders traurig waren auch 2 Fälle. Eine junge
Familie aus Sachsen-Anhalt kontaktierte mich, weil sie
seit einer woche 3 kleine Iltisse aufzogen. Die Kleinen
haben ordentlich getrunken und zugenommen. Alles war
bestens. Der Grund warum ich um Rat gebeten wurde war,
dass die 3 seit einem Tag nicht mehr trinken wollten.
Wir starteten sofort mit einer Akutkur. Noch kurz vor
unserem ersten Telefonat verstarb bereits das erst Baby.
Durch meine nachfragen bzgl. Milch, Medikamente usw.
kam heraus, dass die Iltise am Tag zuvor beim Tierarzt
waren und der wohl mit Flubenol entwurmt hat. Der kleinste
von den Dreien wog gerade mal 85 Gramm. Die Chance hier
noch was reten zu können war verschwindend gering.
Die Familie hat aber weiterhin versucht die beiden letzten
zu retten. Aber wie befürchtet sind alle gestorben.
Die Familie hat sich unendliche Vorwürfe gemacht.
Ich kann nicht
oft genug davor warnen: Entwurmung für Marderbabys
ist tödlich !!!!
Blinde
Marder
Leider gab es in diesem Jahr sehr viele Blinde und Schlechtsichtige
Marder. Bis auf ein paar ungeklärte Fälle
sind alle anderen durch falsche Aufzucht in diese Situation
gekommen.
Die 2 Mardermädchen "Nina & Nora"
wurden über Wochen mit viel zu dünner Aufzuchtmilch
gefüttert. Der dadurch entstandene Calciummangel
führte dazu, dass die Netzhaut nicht richtig ausgebildet
wurde. Die beiden kamen über viele Umwege zu mir.
Beide bekamen sofort eine Calciumkur mit Schüsslersalzen
und einigen Nahrungsergänzungen. Bei Nina konnte
ich so rechtzeitig zur Auswilderung noch das Augenlicht
retten. Nina ist inzwischen erfolgreich ausgewildert.
Nora - sie war die schwächere von beiden - ist
immer noch bei mir. Ob sie 2011 ausgewildert werden
kann steht noch nicht fest. Allerdings sieht sie inzwischen
wesentlich besser und ich habe noch Hoffnung.
Leider gab es einige Unbelehrbare, die trotz meiner
Warnungen weiter auf ihrer Schiene fuhren. So z.B. ein
Tierheim, dessen Leiterin weiterhin Ziegenmilch vom
Supermarkt fütterte, obwohl bereits erste Anzeichen
von Calciummangel erkennbar waren. Sowas ärgert
mich unendlich, da es die Tiere sind die es büsen
müssen.
Besondere
Fälle:
"Smoodoo"
Eigentlich ist diese Geschichte viel zu lang um erzählt
zu werden. Aber ich versuch es in Kurzform:
Anfang Juli 2010 wurde Ruth (Marderhilfsnetz-Zweigstelle
Österreich) zu hilfe gerufen, weil ein Marderkind
seit Tagen zusammengerollt auf einer Terrasse lag. Ruth
konnte den kleinen Marderbub gerade noch rechtzeitig
zu sich holen. Sein Hinterbeinchen war verletzt - in
der Fleischwunde tummelten sich bereits einige Maden.
Er war mit Zecken übersät und ausgetrocknet.
Es begann ein Kampf um Leben und Tod für den Kleinen.
Ein Besuch beim Tierarzt, Infusionen und lange Nächte
mit 10-minütigen Schüsslersalzengaben und
gaaaaanz viel Liebe konnten "Smoodoo" wie
er inzwischen hieß, das Leben retten.
Aber damit nicht genug ! Er wurde wieder fit und konnte
inzwischen auch schon im Garten erste Ausflüge
machen. Die meiste Zeit schlief er auf der Terrasse
... doch eines Tages ... Smoodoo war verschwunden. Alle
Versuche ihn zu finden scheiterten. Er war aber noch
nicht fit genug um da draußen zu überleben
zumal er nach den Medikamente (die waren aufgrund seiner
Verletzungen leider nötig) noch nicht genug entgiftet
war. Er bekam gelegentlich Krampfanfälle, die ihm
da draußen gefährlich werden konnten.
Nachdem Smoodoo bereits eine Woche verschollen war,
war Ruth zufällig im Nachbarort zum einkaufen.
Kaum zu glauben, aber an der Scheibe des Supermarktes
hing ein Foto von Smoodoo mit dem Text: Zahmer Marder
zugelaufen ! Ruth stellte sofort den Kontakt her und
fuhr zu den Findern. Die Geschichte die sie da zu hören
bekam war unglaublich. Smoodoo verursachte einen kleinen
Autoblechschaden, indem er gemächlich über
eine Autobahnausfahrt maschierte. Die Frau, die dabei
bremsen mußte um das Tierchen nicht zu überfahren
nahm Smoodoo mit nach Hause, nachdem er immer noch am
Straßenrand saß, während die Polizei
den Unfall aufnahm. Der Polizist ermutigte die Frau:
Nehmen sie den doch mit, bevor der noch weitere Unfälle
verursacht. Die Leute kümmerten sich nach ihrem
besten Wissen um Smoodoo und hängten schließlich
das Foto aus. Da der kleine Kerl wegen der Verletzung
immer noch Blauspray am Beinchen hatte und relativ zahm
war, wußten sie, dass er irgendwo gepflegt wurde.
Smoodoo ist wieder zuhause. Vermutlich muß bzw.
darf der kleine Kerl auch für immer bei Ruth bleiben.
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass er an Epilepsie
leidet. Unzählige Untersuchungen inkl. CT, Röntgen
uvm. haben keinen Aufschluß über seine Erkrankung
gegeben. Smoodoo bekommt lebenslang Medikamente gegen
die Anfälle führt jetzt ein ruhiges aber sehr
liebevolles Leben bei Ruth und ihrer Familie.
"Ferdi"
...

... hat es im Frühjahr schlimm erwischt. Genauer
gesagt hat ihn eine Katze erwischt und schlimm zugerichtet.
Vom Gesicht war kaum mehr etwas zu erkennen, die Nase
war fast weg und der Nasenrücken bis zum Schädel
war offen und zersplittert. Ferdinand hatte Glück
im Unglück und wurde bei einer beherztenTtierärztin
und ihrem Team abgegeben. Dort wurde der kleine Marderbub
Stück für Stück zusammengenäht und
aufgepeppelt. Schließlich wurde aus Ferdi langsam
aber sicher ein lebensfroher "Jugendlicher",
der toben und spielen wollte. Das Team wurde auf uns
aufmerksam und bat um Hilfe. In dem Fall wußte
ich sofort, der muß direkt zu mir - hier ist Fingerspitzengefühl
angesagt, zumal die Nase von Ferdi immernoch nicht zugewachsen
war und hier noch viel Medizin und Pflege nötig
war. Ich
begann erstmal Ferdi zu stabilisieren. Eine Entgiftung
und Entsäuerung war ebenfalls nötig, da die
Narkosen und Antibiotikas sonst einen immensen Leberschaden
nach sich gezogen hätten. Ferdi bekam auch schnell
Gesellschaft von 2 süßen jungen Marderdamen
(Nina und Nora), die ebenfalls zu mir in Pflege kamen.
Schnell wurde die Gruppe lustig und munter, doch leider
wollte Ferdi's Nase nicht heilen. Weitere chemische
Keulen hätte er zu dem Zeitpunkt nicht vertragen,
deshalb beschlossen wir ihn erstmal psychisch und körperlich
erholen zu lassen und haben ausschließlich mit
Schüsslersalzen seinen Stoffwechsel und sein Immunsystem
aufgewertet. Im November bekam er nochmal eine Antibiotikakur,
um eine gemeine Bakterie zu vernichten, die für
die fehlende Wundheilung zuständig war. Leider
verschloss sich die Wunde trotzdem nicht - immerhin
fehlen ihm da diverse Knochenteile, was immer wieder
zu kleinen Eiterungen, Röcheln und Niesen führt.
So sind wir weiterhin auf Suche nach der passenden Heilmethode.
Die letzte Instanz ist eine erneute OP. Ferdi bleibt
bis zur vollständigen Genesung bei mir. Schlimmstenfalls
wird er nicht Auswilderungsfähig sein - aber auch
dann gibt es eine Lösung. Er ist lustig und freut
sich des Lebens - das allein zählt ! Falls er wieder
ganz gesund wird, suchen wir nach einem passenden Auswilderungsplatz,
wo er langsam und mit viel Liebe an die Natur gewöhnt
werden kann.
Nina
und Nora
Die beiden Mädchen wurden mit falscher Milch aufgezogen.
Das hab ich aber erst viel zu spät erfahren. Als
die Leute sich meldeten, war bereits klar, dass sie
dort nicht bleiben konnten. Deshalb hab ich auf Wunsch
der Leute schnell einen Platz gesucht und auch gefunden.
Gleich am folgenden Wochenende wollten die Leute die
beiden dort hin bringen. Alles war geklärt und
jetzt noch weiter in Sachen Aufzucht zu unterrichten
war nicht nötig. An der künftigen Aufzucht-
und Auswilderungsstelle (einem Wildpark) waren alle
nötigen Kenntnisse vorhanden.
Routinemässig
telefonierte ich nach einer Woche mit dem Wildpark,
um zu erfahren wie sich die Mädchen eingelebt hatten.
Doch ich erfuhr, dass die Leute bisher noch keine Zeit
hatten die beiden zu bringen. Als ich dann erneut die
Dringlichkeit klar machte, wurden die beiden endlich
zum Park gebracht. Da kam das große Erwachen.
Der Pfleger rief mich an und erzählte mir über
den Zustand der Beiden. Sie waren fast nackt, abgemagert
und das bischen Fell war fast weiß. Ich telefonierte
sofort mit den Leuten, welche mir dann erklärten,
dass sie ja nicht wußten wie normale Marder auszusehen
haben. Obendrein bekamen die Beiden eine Milch, die
mit 1:5 mit Wasser gemischt wurde. Calciummangel !!!
Aber so extrem, dass der Wildpark total überfordert
war. Hier wären einige Akutkuren und genaue Instruktionen
nötig gewesen. Außerdem war dort bereits
ein gesunden Mädchen, das dringend Gesellschaft
gebraucht hat. So schnell es ging haben wir einen Transport
organisiert und über sieben Ecken die Mädchen
mit 2 gesunden Marderchen ausgetauscht. Bei dieser Aktion
waren 5 Personen und ca. 1000 km Fahrstrecke nötig.

Ich
begann sofort mit einer Akutkur und fütterte die
Mädchen erstmal ordentlich. Küken kannten
sie bis dahin noch nicht. Es dauerte etwas bis sie auf
den Geschmack kamen. Es dauerte viele Wochen, bis endlich
das Fell wuchs und die beiden an Gewicht zulegten. Calciumzugaben,
Amynin, diverse Schüsslersalze und Orthokapseln
waren nötig um den Stoffwechsel wieder in Gang
zu bekommen. Es war fast zu erwarten, das so ein starker
Mangel Folgen nach sich zieht. Aber es kam ganz hart
: Beide waren Blind !! Es war genau die Wachstumsphase,
in der sich die Iris und das Sehvermögen ausbildeten
als sie zuwenig Nährstoffe und Calcium bekamen.
Die nächsten Wochen waren entscheidend ! Können
wir das Augenlicht noch retten ? Wir taten alles was
möglich war um das zu erreichen. Nina war die Kräftigere
- sie erlangte das Augenlicht zu 90 % wieder. Das reichte
aus um sie im August mit einem anderen Marder auszuwildern.
Aber Nora machte langsamere Fortschritte. Da ja auch
Ferdi noch bis zur Genesung bleiben mußte, war
es für alle ok, dass Nora mit Ferdi erstmal hier
bleibt. Inzwischen sieht sie schon ein bischen besser
- vermutlich sogar schon 60 %. Aber zum auswildern reicht
das noch nicht. Mit etwas Glück können die
Beiden aber 2011 zusammen ausgewildert werden. Da Ferdi
und Nora jedoch bis dhin sehr lange in Menschenhand
waren, ist hier ein besonderer Platz nötig. Aber
die Gedanken machen wir uns wenn es soweit ist. Die
Beiden lieben sich sehr und dürfen bleiben solange
es nötig ist.
Auf
dem rechten Foto sind die beiden mit einem gleichaltrigen
Mardermädchen zu sehen. Hier werden die Unterschiede
sehr deutlich. Nora wird immer sehr scheu und ängstlich
bleiben. So eine Fehlernährung hat Auswirkung auf
das gesamte Leben.
Was
wir nächstes Jahr anders machen:
Leider
sind, wie jedes Jahr, sehr viele Anrufe, die einfach
nur extrem viel Zeit rauben, da die Beantwortung der
meisten Fragen bereits auf unserer Homepage stehen.
Deshalb gibt es ab 2011 eine Notfallsprechstunde zu
bestimmten Tageszeiten. Natürlich ist die Beratung
weiterhin kostenlos. So rufen vielleicht wirklich nur
die an, die einen echten Notfall haben. Wir möchten
gerne jedem helfen, aber wenn das Telefon ständig
besetzt ist, weil wieder jemand nachfragt ob er dem
Marderbaby Kuhmilch geben kann, bleiben die echten Notfälle
auf der Strecke. Die e-Mails und das Forum werden während
der Hauptsaison unzählige male abgefragt und beantwortet.
Deshalb bitte: Telefon nur für die Notfälle
!
Marder-Oskar
2010:
Nele
Nele hat 2010 auf sich aufmerksam gemacht, indem sie
immer wieder ihre Hilfe für Problemmarderchen angeboten
hat. Leider mußte Nele etwas erleben, das uns
alle sehr getroffen hat. Ein Mardermädchen in einem
sehr kleinen Käfig. Ihr Schwanz war schon fast
abgebißen - so schlimm war die Psyche dieses Tieres
bereits betroffen. Dabei wurde die kleine wohl per Hand
aufgezogen. Dann aber bei einer Frau in Obhut gegeben,
die keinerlei Interesse an dem Marderchen hatte. Wir
wollten eingreifen ! Als Nele dann erneut dort hin fuhr
um das Mädchen zu retten, erlebte sie einen Alptraum:
Die Frau war im Urlaub. Eine Bekannte, die ihre Katzen
füttern sollte wußte nichtmal dass im Garten
noch ein kleiner Käfig mit dem Mardermädchen
stand. Nele überzeugte die Frau (mit Androhung
von Polizei) ihr den Weg zum Garten freizugeben. Dort
angekommen fand Nele das Mardermädchen in einer
Erdkuhle liegend, bei ca. 30 Grad - eine umgekippte
Wasserschüssel lag daneben - Das Mädchen war
verdurstet !!!
Was
Nele hier ertragen mußte, verdient absolut meinen
Respekt. Ich weiß nicht, ob ich das bischen Hoffnung
in die Menschheit hier nicht entgültig verloren
hätte. Doch Nele macht weiter im Namen der Tiere
- Danke dafür !!!
| Es
gibt sicher Menschen, die jetzt sagen "war
doch nur ein Marder". Aber wenn Menschen
dazu fähig sind, so ein kleines Tierchen
so schrecklich sterben zu lassen, müssen
wir uns nicht wundern wenn die Schlagzeilen berichten:
"Nashörner und Elefanten vom Aussterben
bedroht", "Tiger & Jaguare für
Chinas Potenz geschlachtet", "Mutter
lies ihr Baby verhungern", "1000de von
Haien für Potenzmittel getötet",
"Regenwälder schrumpfen", "Ozonschicht
wird dünner", uvm.
Um
den Satz von Herrn Sarazin noch zu verschärfen:
"Die Menschheit vernichtet sich selbst !" |

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